Berlin : Der geschenkte Holländer

Kaiser-Friedrich-Museums-Verein stiftet der Gemäldegalerie ein Zeugnis niederländischer Marinemalerei

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Den Gästen in der Gemäldegalerie mussten die Ohren klingen. Kein Geringerer als Wirtschaftsminister Wolfgang Clement lobte sie als Repräsentanten der Bürgergesellschaft und nannte sie eine Kraft, „die das Ganze zusammenhält“. Der Bankier Tessen von Heydebreck sah in ihnen Botschafter der „Einzigartigkeit“ dieses Museums, das, wie er sagte, eine der „großen Sammlungen der Welt“ beherbergt. Er tat das als Vorsitzender des Kaiser Friedrich-Museums-Vereins, der zu einem „Fest für die alten Meister“ geladen hatte. Der Anlass war wahrhaftig festlich: der Erwerb eines Gemäldes von Simon de Vlieger „Die Fregatte Amsterdam vor Den Helden“ durch Mitglieder des Vereins und von ihm gewonnene Sponsoren.

Der Verein knüpfte mit diesem Abend, dem ein ebenfalls festliches Essen im Atrium von DaimlerChrsyler Services, vulgo Debis, am Potsdamer Platz folgte, an eine große Tradition an. Er ist nämlich der älteste europäische Museums-Verein. 1897 gegründet, gehörten zu seinen Trägern nicht nur Kaiser Wilhelm II., sondern die großen Namen der damaligen wirtschaftlichen und kulturellen Elite – Krupp und Liebermann, Rathenau und Gutmann, einer der Gründer der Dresdner Bank, der Mäzen James Simon und der Verleger Louis Ullstein. Ihr Beitrag zu der grandiosen Bilderwelt, die vom Mittelalter bis an die Grenze des neunzehnten Jahrhunderts die Säle am Kulturforum füllt, ist unermesslich.

Tempi passati, aber der Abend zeigte, dass der Verein lebt. 530 000 Euro wurden aufgebracht, um, wie Hausherr Bernd Lindemann erläuterte, der Gemäldegalerie ein bedeutendes Beispiel niederländischer Marinemalerei zu verschaffen. Da klafft seit dem Krieg eine Lücke. Dass der Abend ein Fest wurde, das 350 Gäste anzog, verdankte sich der Unterstützung von Debis, dem Hyatt und der Deutschen Bank. Natürlich auch den Zelebritäten, die der Einladung gefolgt waren – Botschafter, Wirtschaftsgrößen, der Berliner Gesellschaft. Und der VizeChefin des Museumsvereins Anna-Maria Erlen , ohne die – das wurde oft gesagt – der Abend nicht stattgefunden hätte.

Damit das holländische Meer auch hörbar rauschte, wurde die Museums-Halle kurzzeitig – zwischen einem Bernini-Satyr und einer Schlüter-Daphne – zur Bühne für Szenen des Fliegenden Holländers zweckentfremdet. Der Beweis, dass sie auch als Konzertraum geeignet ist, gelang nicht ganz, aber Sänger und Sängerinnen von Deutscher Oper und Staatsoper belegten endlich den Nutzen, den es hat, wenn beide Häuser die gleiche Oper im Repertoire haben. Während Senta fasziniert nicht – wie bei Wagner – auf das Bild des Holländers schaute, sondern auf die neue Erwerbung. Rdh.

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