Berlin : Der Gesuchte war schon an der Uni ein Einzelgänger

Holger Stark

Der Mann, der Polizei und PDS das Fürchten lehrte, heißt Olaf Jürgen Staps und ist 39 Jahre alt. Staps zog 1986 aus Jena in die Hauptstadt, in eine Ein-Zimmer-Wohnung, die ihm ein Freund vermittelt hatte - jene Wohnung, in der Grünberger Straße 52, die Staps im September 1999 schließlich anzündete. Noch kurz vor dem Mauerfall fanden bei ihm aus politischen Gründen drei Hausdurchsuchungen durch die Stasi statt.

Anfang der 90er Jahre schrieb sich Staps an der Uni ein und studierte am Institut für Soziologie in der Babelsberger Straße. In Seminaren über Kultursoziologie fiel er auf, weil er marxistisch argumentierte; seine Referate hatten oftmals nur wenig mit dem Thema zu tun. "Das waren in sich geschlossene Traktate", sagt eine ehemalige Mitstudentin. "Soziologisch ausgedrückt: Selbstreferenziell." Staps galt auch an der Uni als Einzelgänger, der nur mit wenigen Kommilitonen befreundet war.

Während seines Studiums eskalierte der Streit mit seinem Vermieter. Anfang 1997 wurde das Mietshaus privatisiert und saniert. Nach und nach zogen andere Mieter aus, Staps verblieb als einziger Mieter im Haus. Als der Soziologie-Student an seiner Tür Aufkleber mit "linksradikalen und antideutschen Highlights" ("4. Reich - die globale Katastrophe") anbrachte, zeigte ihn der Hausbesitzer an. Mitte September 1999 kündigte die Hausverwaltung schließlich den Mietvertrag. Am 24. September zündete Staps sowohl die Wohnung als auch Teile des Dachstuhls an. Eine Darstellung des Konflikts brachte der 39-Jährige bei der Friedrichshainer Baustadträtin Martina Albinus-Kloss, die für die PDS amtiert, und bei der PDS-Geschäftsstelle im Bezirk vorbei. Frau Albinus habe ihm "nicht einmal geantwortet", klagt Staps in einem Schreiben an den Tagesspiegel - der Grund für seinen Hass auf die PDS.

Seit dem 24.9. ist Staps untergetaucht. In dem neunseitigen Drohbrief schrieb er, er habe sich mit einer Maschinenpistole und Handgranaten bewaffnet. Staps forderte nicht nur die Absage des Gedenkens am vergangenen Wochenende, sondern ein Demoverbot für die PDS bis zum 16. Januar - am 15.1. will die PDS die Veranstaltung nachholen.

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