Der Gewerkschafter : Familie, immer wieder vereinigt

Foto: promo
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In Oschersleben wurden die Buchstaben gelernt, in Ratzeburg eher gesungen. Stefan Najda erlebte die erste Klasse zweimal. Weil sein Vater in den Westen geflohen war, holte er die Familie nach der Wende nach Schleswig-Holstein. Dann zerbrach die Beziehung, und Stefan ging mit seiner Mutter zurück nach Sachsen-Anhalt. Die Eltern kamen erneut zusammen, also wieder zurück nach Ratzeburg. Kein einfacher Start ins vereinigte Deutschland.

Der Vater, Lkw-Fahrer, die Mutter, Altenpflegerin, trennten sich nach einigen Jahren endgültig. Sohn Stefan reagierte mit schlechten Noten und wechselte auf die Hauptschule. Blöd gelaufen, zumal „Ossis“ nicht wirklich beliebt waren in Ratzeburg. „Im Unterricht war es okay, aber auf dem Schulhof wurde ich beschimpft.“ Najda musste sich mit Sport Anerkennung erkämpfen, als Langstreckenläufer. Später ging er zum Technischen Hilfswerk.

Seine Noten wurden besser. Najda wechselte auf die Realschule, spürte aber auch hier noch die Ausgrenzung, besonders durch einen älteren Lehrer. Mit 14 begann er, nebenbei in einem Edeka-Markt zu arbeiten und entschied sich nach dem Schulabschluss für eine Lehre im Einzelhandel. Bei Karstadt in Lübeck durfte er anfangen, damals noch ein stolzes Unternehmen mit 6000 Auszubildenden bundesweit. Najda ließ sich in die Jugendvertretung des Betriebsrats wählen und bemerkte bald, dass solche Entscheidungen auch zu Ausgrenzungsversuchen führen können, bis hin zur Kündigung.

„Ich musste mich immer durchbeißen“, sagt Najda, der heute bei Verdi arbeitet, zuständig für den Versandhandel und die Jugendarbeit im Einzelhandel. Die Streikaktionen gegen die schlechten Arbeitsbedingungen bei Amazon hat er maßgeblich koordiniert.

„Herz und Gene des Ossis“ seien in seine Persönlichkeit eingeflossen, sagt Stefan Najda. Aber auch das Duchbeißen im Westen hat ihn geprägt. loy

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