Berlin : Der größte Gegner war die Hitze

30 Gegner wurden bei der Demonstration festgenommen. Die Zeremonie verlief aber weitgehend ungestört

Jörn Hasselmann

Gnadenlos knallte die Sonne beim Gelöbnis am Sonntagabend auf den Appellplatz. Gut 20 der 250 Rekruten erlebten das Ende der Zeremonie auf einer Sanitäterbahre. Über eine Stunde strammstehen – das strapazierte den Kreislauf der jungen Soldaten, unter denen 84 Berliner waren.

Nach Polens Staatspräsident Kwasniewski im vergangenen Jahr hielt an diesem 20. Juli zum zweiten Mal ein ausländischer Gast die Gelöbnisrede: Die französische Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie. Gemeinsam mit Verteidigungsminister Peter Struck und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan schritt sie die Gelöbnisaufstellung ab. An den Feierlichkeiten beteiligt waren auch französische Soldaten des Jägerbataillons aus Saarbourg und ein Musikkorps. Neben der Sonne machte auch der Wind ein der Bundeswehr leicht zu schaffen: Der Lärm der Militärgegner, die wie in den Vorjahren am Reichpietschufer an der Nationalgalerie Stellung bezogen hatten, war etwas deutlicher zu vernehmen – störte die Feier aber nicht. Auch die einzige der „phantasievollen Aktionen“, die vom „Gelöbnix“-Bündnis angekündigt worden waren, verpasste den Einsatz. Minuten vor Beginn der Zeremonie heulte einige Sekunden lang eine Sirene, die in ein Gebüsch geworfen worden war. Sechs Menschen wurden festgenommen, die sich im Rohbau der Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate und in der Ruine der griechischen Botschaft versteckt hatten, um von dort zu stören.

Alle anderen Störungen wurden von 1000 Polizisten und mehreren hundert Feldjägern verhindert, die den Bendlerblock weiträumig abgesperrt hatten. Etwa 400 Demonstranten waren um 16 Uhr am Brandenburger Tor, an der stark gesicherten Britischen Botschaft vorbei zum Reichpietschufer gezogen. Dort war wie in den Vorjahren Schluss, dichter heran durften die Demonstranten nicht. 1999 war das Gelöbnis durch völligen Klamauk unterbrochen worden, als 15 Demonstranten sich an der feierlichsten Stelle der Zeremonie plötzlich entkleideten und trötend nackt über den Appellplatz rannten. Die Feldjäger hatten Minuten zu tun, die Militärgegner einzufangen, die sich zuvor mit gefälschten Einladungskarten Zutritt zur Tribüne verschafft hatten.

Obwohl nach dieser peinlichen Panne die Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärft worden waren, gelang den Gelöbnix-Aktivisten zwei Jahre später erneut ein Coup: Knapp vor Ende der Zeremonie rollte ein schwarzer Mercedes 500 am Appellplatz vor, aus dem zwei Frauen entstiegen. Doch es waren nicht die Töchter von Verteidigungsminister Scharping, wie die Feldjäger geglaubt hatten, sondern Demonstrantinnen, die sich an den Zaun ketteten und eine Sirene anschalteten. Gestern Abend hatte ein Dutzend Demonstranten, die plötzlich aus dem Grün des Tiergartens brachen, versucht, eine Absperrung an der Stauffenbergstraße zu durchbrechen – doch sie kamen nicht weit. Insgesamt gab es bis zum Abend gut 30 Festnahmen, hieß es bei der Polizei.

Seit 1999 wird jeweils am 20. Juli – dem Tag des Attentates auf Hitler – ein Gelöbnis am Sitz des Verteidigungsministeriums zelebriert. Das Gelöbnis ist das Treuebekenntnis der Wehrpflichtigen. Im Wortlaut: „Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.“

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