Der große Klinikvergleich : Gesünder in Berlin

Behandlungsqualität, Erfahrung, Ärzteempfehlungen und Patientenbefragung – der Klinikvergleich gibt einen Überblick über die Krankenhäuser der Stadt, wie es ihn so noch nicht gab.

Ingo Bach

Die einen greifen zum Bild des offenen Fensters und meinen damit den frischen Wind, der nun durch die deutschen Krankenhäuser weht. Die anderen denken dabei eher an einen Dammbruch, den es zu verhindern gilt. Die Rede ist von den Daten zur Behandlungsqualität in den Kliniken, wie sie die Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) in Düsseldorf seit sechs Jahren sammelt und bisher äußerst diskret auswertete. Die Qualitätsangaben des großen Berliner Klinikvergleichs von Tagesspiegel und Gesundheitsstadt Berlin e. V. basieren auf diesen vertraulichen Daten. Voraussetzung, diese veröffentlichen zu können, ist das Einverständnis der Krankenhäuser – und alle 47 Berliner Kliniken, die diese Daten melden müssen, haben für die Neuauflage des Klinikvergleichs entschieden, sich dem landesweiten Qualitätsvergleich zu stellen. Auch das Universitätsklinikum Charité, das sich im vergangenen Jahr aus methodischen Gründen zurückgehalten hatte, ist nun mit dabei. Vielen Dank an die Kliniken für diesen mutigen Schritt im Interesse ihrer Patienten.

Die Qualitätsdaten werden präzisiert durch die Ergebnisse des „strukturierten Dialogs“: Die Fachleute der BQS suchen das Gespräch mit jenen Kliniken, die sehr auffällige – gute wie schlechte – Qualitätswerte vorwiesen. So sollen die Richtigkeit der Angaben geprüft und Wege gefunden werden, um die Qualität zu optimieren. Der Dialog für die Daten aus dem Jahr 2005 ist seit Anfang 2007 offiziell abgeschlossen. Oft stellt sich dabei heraus, dass nicht etwa schlechte Qualität die Ursache für schlechte Daten war, sondern dass zum Beispiel der Arzt die Meldebögen falsch ausgefüllt hat. Auch diese Ergebnisse berücksichtigt der Klinikvergleich, indem er den Chefärzten die Möglichkeit einräumt ihre Daten zu kommentieren.

Für insgesamt zwölf Krankheitsbilder in unserer Serie konnten wir durch die Kooperation mit den Kliniken schon jetzt erneut auf diese BQS-Daten zurückgreifen. Doch bei Weitem nicht alle Krankenhausbehandlungen werden von diesem Kontrollsystem erfasst. Nach der ersten Auflage des Klinikvergleichs wurden wir von vielen Lesern gebeten, mehr Indikationen darzustellen. Die Behandlung einer Prostatavergrößerung zum Beispiel, die in Berliner Kliniken jährlich zweieinhalbtausendmal operiert wird. Oder Leistenbrüche, die 8000-mal behandelt werden. Ebenso wurden Angaben zu Krebsoperationen vermisst.

Diesen Nachfragen tragen wir bei der zweiten Auflage des Klinikvergleichs Rechnung. Statt zehn wie im vergangenen Jahr präsentieren wir Angaben zu 25 Krankheitsbildern, wegen der im Jahr 2005 rund 200 000 Menschen in Berliner Kliniken stationär behandelt wurden. Das sind rund 30 Prozent aller Fälle. Durch die Ausweitung sind nunmehr insgesamt 49 Berliner Kliniken mit dabei!

Da es für diese jedoch noch keine Qualitätsauswertungen gibt, setzen wir auf die Informationen über die Anzahl der Eingriffe in jeder einzelnen Klinik, die etwas aussagt über die Erfahrung in den Häusern mit dieser Art Behandlung. Hinzu kommt erneut eine aufwendige Befragung der niedergelassenen Ärzte Berlins nach den empfehlenswerten Kliniken der Stadt. Wir waren überrascht von der großen Bereitschaft der Mediziner, uns Auskunft zu geben. Statt der 1150 Ärzte, die sich im vergangenen Jahr beteiligten, konnten wir auf die Angaben von 1450 Medizinern bauen. Dafür auch ihnen herzlichen Dank, ebenso der Berliner Ärztekammer, der Kassenärztlichen Vereinigung der Stadt und den zahlreichen Berufsverbänden, die unsere Umfragen so tatkräftig unterstützt haben.

Und schließlich als dritte Säule dieses Klinikvergleichs wurden erstmals Sie befragt, Sie als Patient einer chirurgischen Abteilung. Denn Sie wissen am besten, wie es Ihnen dort erging. Auch Ihnen möchten wir danken, den mehr als 4000 Berlinern, die sich die Mühe gemacht haben, einen Bogen mit 80 Fragen auszufüllen. Das Ergebnis ist ein Überblick über die Berliner Krankenhauslandschaft, wie es ihn so noch nie gab. Das Ziel ist es, Patienten eine Orientierung zu geben. Auch für das vertrauensvolle Gespräch mit dem einweisenden Arzt.

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