Berlin : „Der große Knaller fehlt noch immer“ Ein Manager über Hindernisse für Forscher

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Kann sich Berlin im Vergleich mit anderen Biotechnologiestandorten sehen lassen?

Berlin ist national sicher in der Spitzengruppe mit München und dem Rheinland. Der Standort hat sich kontinuierlich verbessert. Aber es fehlt auch 15 Jahre nach Gründung der ersten Firmen noch immer ein Knaller. Wir leben noch zu sehr im alten Manufakturumfeld, es gibt noch keine richtige Biotechindustrie.

Ist die steigende Zahl der Biotechfirmen ein Zeichen, dass es vorangeht?

Viel wichtiger als die Zahl der Unternehmen ist ihre Qualität. Es gibt nur wenige mittelständische, innovative Unternehmen, wie Jerini oder Epigenomics. Dennoch: Die Entwicklung zeigt, dass Berlin auf einem guten Weg ist.

Muss der Senat mehr tun, um junge Firmen zu fördern?

Es ist schon viel getan worden. Unternehmensgründungen sind viel einfacher geworden als früher, weil der Senat eine zentrale Anlaufstelle für Biotechgründer geschaffen hat. Seit der Professionalisierung der Koordinierungsstelle Biotop wird auch viel mehr für die Netzwerkbildung gemacht. Wünschenswert wäre, dass sich die Stadt nach der Fusion von Bayer und Schering stärker dafür engagieren würde, Hightech-Forschung in der Stadt attraktiver zu machen, durch bessere Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie. Davon könnten auch die Biotechfirmen profitieren.

Viele beklagen, dass der Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu schlecht funktioniert. Stimmen Sie zu?

Ja. Es gibt noch immer ein gespaltenes Verhältnis zwischen Industrie und Akademie. Solange sich das nicht entkrampft, hat Berlin im globalen Umfeld immer Nachteile.

Ist es ein Problem, dass es in Berlin gleich sieben Biotechstandorte gibt?

Nein. In Boston, das weltweit führend ist, gibt es auch mehrere Standorte. Viel wichtiger wäre es, den Biotechstandort Berlin international als einheitliche Marke zu verkaufen. Das würde helfen, neue Unternehmen in die Stadt zu locken.

Das Interview führte Maren Peters

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