Berlin : Der große Lauf

Heute gehen die Marathonsportler und Rennrollstuhlfahrer auf die Straße – aber auch Zuschauer, Helfer und Musiker müssen früh aufstehen

Annette Kögel

Sie haben so viel Spaghetti gegessen, dass sie keine mehr sehen können. Sie haben die Brustwarzen wegen der Reibung abgeklebt, die Startnummern angeheftet, trainiert ohne Ende – und können heute endlich auf die Strecke: Die knapp 40 000 Läufer, die beim viertgrößten Marathon der Welt in Berlin die 42,195 Kilometer lange Distanz absolvieren wollen. Getragen werden sie auch vom Jubel an der Strecke: Es werden wohl wie vergangenes Jahr wieder weit mehr als eine Million Menschen am Rand klatschen, johlen, pfeifen. Gestern ging der Veranstaltungsmarathon bereits mit dem Frühstückslauf los – und den Skatern, die am Nachmittag beim 10. Inline-Marathon entlang der blauen Linie über den Asphalt rasten.

Als 1997 der erste Skaterwettbewerb startete, rollten gerade mal 474 Leute auf Rollschuhen durch die Stadt. Dann wurde Skaten Trendsport, und mit der Funsportsparte wuchs auch der Inliner-Marathon zum heute nach Angaben der Veranstalter bedeutendsten Straßenrennen der Welt. Insgesamt sollten knapp 8000 Skater mit Helm, in aerodynamischem Dress und in Eisschnellläufer-Haltung auf vier oder fünf Rollen durch die Stadt zischen. Die Männer versuchten, den seit 1999 ungebrochenen Streckenrekord von 1:01:08 Stunden zu unterbieten, zugleich ging es um den Gesamtsieg beim World Inline Cup 2006. Als beste Berliner Starter wurden Jana Gegner und Victor Wilking gehandelt. Neu war dieses Jahr das Zwölf-Kilometer-Inline-Fitnessrennen für Einsteiger.

Ebenfalls auf Rädern starten heute ab 8.30 Uhr – eine halbe Stunde vor den Läufern – 200 Rollstuhlfahrer. Deren Gefährte erinnern aber nicht an gewöhnliche „AOK-Chopper“. Die Rennrollstühle, etwa vom Paralympics-Förderer Otto Bock, sind Hightech-Geräte, die mit ihrem vorgelagerten Vorderrad an Sulkys erinnern. Um 8.45 Uhr starten die Handbiker – in so einem Stuhl sitzt auch Wolfgang Schäuble gerne, der allerdings lieber für sich in aller Ruhe fährt. Keine Großveranstaltung in Berlin ohne Benefiz: Der Berlin-Marathon kooperiert jetzt im zweiten Jahr mit dem Verein „v. Bodelschwinghsche Anstalten Bethel“ und sammelt Spenden für ein Epilepsie-Projekt (www.bethel.de). Damit all das gelingt, haben die Veranstalter vom „33. real Berlin Marathon“ unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel wieder Tausende ehrenamtliche Helfer gewonnen. 5600 Helfer-Jacken wurden ausgeteilt. Allein 800 werden als Streckenposten eingesetzt, reichen Bananen und Getränke an, achten darauf, dass sich alle zurechtfinden. All jenen, die sich womöglich überschätzen oder auf der Strecke umknicken, stehen 360 Auszubildende von Physiotherapie-Schulen zur Seite. Keinen freien Sonntag haben auch die Sanitätsdienst-Helfer. Das Berliner Rote Kreuz hat im Zielbereich ein mobiles Krankenhaus aufgebaut. Entlang der Strecke sind 36 Defibrilatoren als Soforthilfe bei lebensbedrohlichen Herz-Rhythmus-Störungen postiert. Die DRK-Ehrenamtlichen werden rund 21 000 Liter Tee ausschenken, 250 Liter Massageöl verteilen. 74 Ärzte treten an, acht auf dem Fahrrad, drei mit Motorrädern. 80 Rettungssanitäter sind ihrerseits im Startblock. Und noch andere Berliner stehen heute ganz früh auf: die Mitglieder der rund 60 Bands, die den Läufern kräftig einheizen. Darunter sind etwa die Percussionisten der Kreuzberger Karneval-der-Kulturen-Truppe des Trommelzentrums Groove – und 300 Trommler, die gerade beim Festival „Samba Syndrom“ im FEZ für den heutigen Tag geübt haben. Auf die Plätze, fertig los!

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