Berlin : Der große Praxistest folgt heute

40 Infostände in der Stadt – mit Verspätungen bei Bussen wird gerechnet

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„Sie haben uns unseren Bus genommen, und jetzt brauchen wir rund eine halbe Stunde für die Fahrt zur Schule, die vorher nach drei Haltestellen zu Ende war.“ Die beiden aufgebrachten Schülerinnen waren gestern eigens aus Moabit zum Alexanderplatz gekommen, um ihren Unmut zu äußern. Die BVG hat dort einen Informationsstand zu ihrem neuen Liniennetz aufgebaut, das seit gestern gilt. Den Schülerinnen gefällt nicht, dass die Buslinie 341, mit der sie bisher aus Moabit zum CanisiusColleg an der Tiergartenstraße fahren konnten, weggefallen ist. Jetzt müssen sie Umwege fahren – und umsteigen.

Dem Wunsch der Schülerinnen, wenigstens zum Schulbeginn und -ende Busse fahren zu lassen, gab BVG-Planer Jürgen Senst kaum eine Chance. „Die Plätze in den Bussen müssten zu 18 Prozent besetzt sein, verteilt auf den gesamten Tag, wenn der Betrieb wirtschaftlich sein soll. Und diese Vorgabe hat der 341er nicht erreicht. Ähnlich sah es auch auf anderen Linien aus, die deshalb ebenfalls gestrichen oder zumindest verkürzt worden sind. Auch woanders haben dadurch Schüler ihre direkte Verbindung zur Schule verloren – wie zum Beispiel in Wannsee bei der Linie118.

Die meisten Fahrgäste hätten Vorteile vom neuen Netz, vor allem durch die 24 neuen Metrolinien – neun bei der Straßenbahn und 15 bei den Bussen, argumentiert die BVG. Die Metrolinien sollen jeden Tag in der Woche 20 Stunden und mindestens alle zehn Minuten fahren. Dabei sind sie auf nachfragestarke Hauptachsen konzentriert. Verwirrt sind Fahrgäste manchmal, wenn in den U-Bahnen „Metropläne“ hängen, die Bus- und Straßenbahn-Verbindungen zeigen. Mit dem Begriff „Metro“ sollen nach der BVG-Logik die wichtigsten Bus- und Straßenbahnlinien hervorgehoben werden, die qualitativ fast so attraktiv seien wie die S- und U-Bahn.

Mit dem Start des neuen Netzes war die BVG gestern zufrieden. „Betrieblich ist alles gut gelaufen“, sagte BVG-Chef Andreas von Arnim. Die Haltestellen seien umgerüstet, die neuen Hinweise überall angebracht. Probleme gibt es zum Teil beim Kauf des neuen Atlas mit den geänderten Linienführungen. „Die Atlanten werden uns fast aus der Hand gerissen“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Auch an den 40 Infoständen, die die BVG in der Stadt aufgebaut hat, sind sie schnell vergriffen. Ein Atlas kostet 9 Euro. Lieferprobleme gab es auch beim Fahrplanbuch.

Für heute rechnet die BVG mit Verspätungen vor allem bei Bussen. „Viele Fahrgäste werden den Fahrer nach den neuen Wegen fragen“, glaubt Chefplaner Tom Reinhold. Und viele werden erst bei der Fahrt zur Arbeit oder zur Schule merken, dass sich etwas geändert hat. Der große Praxistest findet erst heute statt. kt

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