Berlin : Der Große Tiergarten - am Wochenende für Autos gesperrt?

EVA-MARIA VOCHAZER

SPD und Grüne wollen dem Vorbild von London, New York und Paris nacheifernVON EVA-MARIA VOCHAZER BERLIN.Der Bezirk Tiergarten will sich bei der Senatsverkehrsverwaltung dafür einsetzen, daß der Große Tiergarten an den Wochenenden für Privat-Pkws gesperrt wird.Vom Autoverbot betroffen wären die Entlastungsstraße, die John-Foster-Dulles-Allee und die Straße des 17.Juni östlich des Großen Sterns.SPD und Bündnisgrüne hatten vor kurzem einem entsprechenden Antrag in der Bezirksverordneten zugestimmt.Vorbild sind Regelungen im New Yorker Central Park und im Pariser Bois de Boulogne. "Es ist an der Zeit, daß Berlin dem Beispiel anderer Metropolen wie Paris, London und New York folgt, die Lösungskonzepte entwickelt haben, um ihre zentralen Parks zu entlasten", forderte Lydia Schend, Vorsitzende des Tiergartener Naturschutz- und Grünflächenausschusses.Die Wochenend-Sperrung von Autostraßen durch den Park könne ein erster Schritt dazu sein, das Verkehrskonzept von 20 Prozent für den Individualverkehr und 80 Prozent für den öffentlichen Nahverkehr innerhalb des inneren S-Bahn-Ringes durchzusetzen. Der New Yorker Central Park ist nach Informationen von Schend an den Wochenenden tagsüber für den Pkw-Verkehr gesperrt.Der Pariser Bois de Boulogne, der nur einen Kilometer vom Arc de Triomphe entfernt liegt, ist an den Sommerwochenenden für Privatautos ebnfalls tabu.Im Londoner Hyde Park ist die Durchfahrt während der Mittagspause verboten."Für den Großen Tiergarten würde ein Auto-Verbot den Erholungswert für Spaziergänger enorm steigern, gleichzeitig würde ein Signal gegen die hirnverbrannte Auto-Lobby gesetzt", sagte der Tiergartener Bezirksbürgermeister Jörn Jensen (Bündnis 90/Grüne). Die Verkehrsverwaltung reagierte in einer ersten Stellungnahme ablehnend auf den Tiergartener Vorstoß."Das ist eine nette und wunderbare Sache, aber wenn der Verkehr am Großen Stern lahmgelegt wird, produziert dies Chaos und Staus an anderer Stelle", argumentierte Sprecherin Petra Reetz.Die Verkehrssituation im künftigen Regierungsbezirk sei zudem durch die Großbaustellen am Potsdamer Platz, rund um den Reichstag und am Kanzleramt extrem schwierig."Ohne einen konkreten Lösungsansatz wird sich der Autoverkehr nur in die Moabiter Seitenstraßen verlagern, und das St.-Florians-Prinzip kann nicht Sinn der Sache sein", sagte Reetz.Die Berlin Tourismus Marketing GmbH ist von der Idee eines autofreien Tiergartenn grundsätzlich angetan."Das wäre natürlich eine attraktive Sache für Touristen, sich im innerstädtischen Bereich im Park bewegen zu können", bezog Sprecher Bernd Buhmann Stellung.Er gab allerdings zu bedenken, daß auch motorisierte Berlin-Besucher nicht gerne im Stau stehen."Wir haben der Stadt mit der Vielzahl von Grünflächen bereits sehr gute Voraussetzungen für die Erholung", sagte Buhmann.Wenn man den Großen Tiergarten am Wochenende für den Verkehr sperre, müsse zuerst die Verkehrsproblematik gelöst sein.

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