Berlin : Der hängende Biergarten

Erst sollten die Wannsee-Terrassen neu entstehen. Dann durften sie es nicht. Nun wird der Aufbau wieder erlaubt

Christian van Lessen

Das traditionsreiche Ausflugslokal „Wannsee-Terrassen“, fast auf den Tag genau vor zwei Jahren abgebrannt, soll nun doch wieder zu neuem Leben erweckt werden. Petra Rohland, Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD), hält es für „wünschenswert, das Ausflugslokal zu errichten“. Es gebe auch einen möglichen Investor, mit dem allerdings noch Verhandlungen geführt werden müssten. Erst im vergangenen Sommer hatte die Senatsbehörde alle Pläne für einen Wiederaufbau rigoros vom Tisch gewischt: Auf dem Gelände im Landschaftsschutzgebiet dürfe, was zunächst nicht bedacht worden sei, wegen der engeren Wasserschutzzone überhaupt kein Neubau entstehen.

Den neuesten Sinneswandel begründet die Verwaltung mit dem endgültigen Abschluss der „komplizierten“ wasserrechtlichen Prüfungen. Wegen der „besonderen Umstände des Einzelfalls“ könnte für den Wiederaufbau der Wannsee-Terrassen aber eine Befreiung vom Bauverbot erteilt werden, als Härtefall-Regelung. Der Bauherr dürfe auf dem Grundriss des alten ein neues Ausflugslokal bauen, wozu er auch bereit sei. Staatssekretärin Maria Krautzberger hatte dem CDU-Abgeordneten Michael Braun zuvor auf eine Kleine Anfrage mitgeteilt, dass der mögliche Investor auf dem Areal erst „umfängliche Neubauten“ plante, die allerdings überwiegend außerhalb der engeren Wasserschutzzone liegen würden.

Über den Interessenten wollen sich die Behörden, darunter der städtische Liegenschaftsfonds, nicht äußern, da Verträge noch nicht abgeschlossen sind. Ursprünglich soll der mögliche Käufer die Wannsee-Terrassen mit einem „Erlebnisbad“ habe koppeln wollen. Dem Vernehmen nach handelt es sich um eine Kölner Firma, die im vergangenen Jahr nach der Ausschreibung das Grundstück erhalten sollte. Der Liegenschaftsfonds hatte bereits dem Gastronomie-Konzept zugestimmt, der Wiederaufbau schien 2003 möglich. Bis die Behörden feststellten, dass gar nicht gebaut werden dürfte – für den Abgeordneten Braun „ein Schildbürgerstreich“.

Der nun vom Senat gewünschte Wiederaufbau entspricht den Vorstellungen des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf. Gerade die Hanglage mache den Standort so reizvoll, „da braucht man die Wannsee-Terrassen“, sagt Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD). Mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung will er jetzt das weitere Vorgehen klären.

Frühere Stammgäste des Ausflugslokals, in dessen Saal einst 250 Personen Platz fanden, haben sich mit der Lücke im Wald oberhalb des Strandbades Wannsee bis heute nicht abfinden können. Das Haus auf einem der besten landeseigenen Grundstücke war am 25. Dezember 2001 wegen eines technischen Defekts bis auf die Grundmauern niedergebrannt, wobei Asbestfasern und krebserregende Stoffe freigesetzt wurden. Der Pächter versprach, das Haus mit dem markanten Reetdach innerhalb von zwölf Monaten wiederaufzubauen. Das blieb ein frommer Wunsch, denn der Pachtvertrag war ohnehin abgelaufen. Für die Abbruchkosten von rund 100000 Euro kam der Feuerversicherer auf. Die Forstverwaltung rechnete damit, das Gelände zum Wald zu machen.

Die Wannsee-Terrassen waren 1937/38 errichtet worden, als Wasserschutzgebiet ist das fast 9000 Quadratmeter große Grundstück seit 1946 ausgewiesen. Als das Haus ein Jahr später erstmals niederbrannte, stand ein Wiederaufbau außer Frage. Es dauerte allerdings drei Jahre, bis die neuen Wannsee-Terrassen wieder öffnen konnten – bis zum traurigen Ende vor zwei Jahren.

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