Berlin : Der Handel nimmt den Konsumentenstreik nicht ernst

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Seit genau einem halben Jahr gilt der Euro – doch gewöhnt haben sich die Berliner noch längst nicht an die neue Währung. Vor allem haben sich die Kunden noch nicht an die neuen Preise gewöhnt. Euro gleich Teuro, heißt es seit Wochen auch im Internet. Dort wird für den heutigen 1. Juli zum „Kaufstreik“ aufgerufen. Einer der Initiatoren, der 25-jährige Berliner Christoph Kastius, will nach seinen Worten mit der heutigen Aktion einen „Volksaufstand gegen den Teuro“ anführen.

Einzelhandel und Verbraucherzentralen nehmen die Aktion aber nicht ernst. Der Aufruf gehe an der Realität vorbei, sagte ein Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels: „Weniger Geld ausgeben als im Moment geht gar nicht.“ Die Preise im Einzelhandel hätten neue Tiefstände erreicht. Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen unterstützt den Aufruf nicht.

Nach Untersuchungen von Statistikern ist das Preisniveau mit der neuen Währung nicht wesentlich gestiegen. Einer repräsentativen Studie zufolge glauben dies aber 82 Prozent der Bundesbürger.

Die Wirtschaftsflaute und das Gefühl, dass der Euro teils massive Preiserhöhungen mit sich brachte, hat nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), Klaus Wübbenhorst, zu einem „gewissen Einkaufsstreik“ geführt. „Der Verbraucher ist massiv verunsichert. Die Preissteigerungen im Zusammenhang mit der Euro-Einführung sind nicht der einzige Punkt, der zur Kaufzurückhaltung beiträgt. Aber die Diskussion um den Konsum fängt im Kopf an und hier gibt es eine gefühlte Inflation“, sagte Klaus Wübbenhorst im Nachrichtensender n-tv.

Bert Rürup, Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage in der Bundesrepublik, sagte ebenfalls in n-tv: Es habe unabhängig vom Euro Preiserhöhungen bei Gemüse und Obst gegeben und es gab „umstellungsbedingte satte Preiserhöhungen im Bereich der Gastronomie“. Tsp/dpa

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