Berlin : Der harte Kern saß schon vor dem Anpfiff im Knast

Als Dynamo bei Union spielte, war es ruhig – doch bereits in der Nacht hatte die Polizei 200 Hooligans festgesetzt

Tanja Buntrock

Es galt als absolutes Risikospiel, doch den harten Kern der Hooligans hatte die Polizei schon zuvor einkassiert. Wohl deshalb endete das Oberligaspiel zwischen dem 1. FC Union und dem BFC Dynamo, das im Stadion „Alte Försterei“ in der Köpenicker Wuhlheide stattfand, gestern Nachmittag ohne größere Zwischenfälle. Schwere Ausschreitungen hatte es dafür in der Nacht zuvor bei einer Razzia in einem von BFC-Fans besuchten Lokal gegeben, bei der 200 gewaltbereite BFC-Anhänger festgenommen worden waren.

Zwischen den Fans der beiden Berliner Vereine besteht seit langem Feindschaft. Die Polizei war unter anderem mit Wasserwerfern angerückt, auch kreiste ein Hubschrauber über dem Stadion. Gegen 14 Uhr sollte der Anpfiff sein, der sich aber um eine halbe Stunde verzögerte. Hundertschaften der Polizei hatten die Anhänger der Vereine in ihre jeweiligen Fankurven begleitet und sie dort nach dem Spiel auch wieder abgeholt. Insgesamt blieb die Lage ruhig, obwohl der 1. FC Union mit 8:0 überlegen siegte. Das Gebiet um das Stadion war weiträumig abgesperrt worden, was sich bis in die Köpenicker Altstadt auswirkte.

Möglicherweise ist der glimpfliche Verlauf dem Polizeieinsatz in der Nacht zuvor zu verdanken. Zahlreiche Beamte, unter anderem des Spezialeinsatzkommandos (SEK), waren in die Diskothek „Jeton“ in der Frankfurter Allee eingedrungen, in der sich rund 400 BFC-Anhänger befanden. Wie Einsatzleiter Michael Knape berichtete, hatte es Hinweise gegeben, dass sich im zweiten und dritten Stock der Disco rund 180 Hooligans des harten Kerns aufhielten, um Krawalle abzusprechen. So sei geplant worden, bereits am frühen Morgen in die Altstadt zu ziehen und dort, wie Knape sagte, „Angst, Furcht und Schrecken“ zu verbreiten.

Die Polizei hatte einen Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Tiergarten erwirkt, um Rädelsführer festzustellen und gefährliche Gegenstände sicherzustellen. Die Anwesenden – vielfach der Türsteherszene zugehörig, dazu Mitglieder der Rockergruppe „Hell’s Angels“ – setzten sich sofort massiv zur Wehr: Stühle, Flaschen und Gläser flogen, mit entsprechender Reaktion der SEK-Beamten. Bald lagen viele Hooligans am Boden, die Hände mit Plastikschnüren gefesselt. Einige mussten ins Krankenhaus, bevor sie im Polizeigewahrsam Tempelhof verschwanden. Die Festgenommenen wurden eingestuft in der Kategorie B (gewaltbereit unter Alkohol) und C (immer gewaltbereit). Sie wurden gestern einem Richter vorgeführt; 120 mussten bleiben. Die Polizei schaffte es so, Teile des harten Kerns von Köpenick fernzuhalten. Bis zum späten Abend waren der Polizei keine größeren Zwischenfälle bekannt.

Kritik für den nächtlichen Polizeieinsatz gab es aber vom BFC-Fanbeauftragten Rainer Lüdtke, der ebenfalls im „Jeton“ vorläufig festgenommen worden war und das Vorgehen der Polizei als voreilig und überzogen rügte. Vor dem Spiel gab es einen heftigen Wortwechsel mit Polizei-Einsatzleiter Knape. Dieser verwies gestern auf die neue Qualität der Gewalt, die bei Hooligans festzustellen sei. Gezielt würden kleine Polizeigruppen und besonders Beamtinnen attackiert, zumal wenn die Fans durch Alkohol und Drogen wie Ecstasy enthemmt seien.

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