Berlin : Der Hauptbahnhof bleibt eine Insel

Invalidenstraße soll durchgehend vierspurig zum Superterminal führen Tram fährt dort ab 2009 – weitere Nahverkehrsanschlüsse kommen noch später

Klaus Kurpjuweit

Trotz aller Proteste: Der Ausbau der Invalidenstraße ist entschieden. Doch die neuen Pläne der Stadtentwicklungsverwaltung für die Verbindung in Mitte sind die alten. In Zukunft sollen sich auf dem Abschnitt von der Chausseestraße zum Hauptbahnhof Autos und Straßenbahn jeweils eine Fahrspur teilen. Die Invalidenstraße wird als Verbindungsstrecke zum Hauptbahnhof auf durchgehend vier Fahrspuren erweitert. Frühestens 2009 sollen die Arbeiten beendet sein. Erst dann erhält der Hauptbahnhof einen Anschluss ans Straßenbahn-Netz.

Damit ist der künftige Superbahnhof die ersten Jahre nach der Eröffnung am 28. Mai wirklich bequem nur mit dem Zug zu erreichen. Der Anschluss ans Netz der U-Bahn fehlt ebenso wie eine unterirdische Nord-Süd-Verbindung der S-Bahn. Die sieben Buslinien der BVG, die zum Hauptbahnhof fahren werden, gelten nur als Ersatzlösung.

Während der Umbauzeit muss auch auf der Invalidenstraße selbst mit Hindernissen gerechnet werden. Wie weit die Bauarbeiten den Verkehr tatsächlich behindern, sei aber noch nicht abzusehen, sagte gestern Frieder Bühring von der Stadtentwicklungsverwaltung. Man versuche, je Richtung stets eine Fahrspur offen zu halten.

Anwohner und Geschäftsleute wehren sich seit Jahren gegen den Ausbau. Ein erstes Genehmigungsverfahren für den Bau der Straßenbahngleise ließ Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) nach heftigen Protesten 2004 stoppen. Damit war auch der geplante Eröffnungstermin Ende Mai 2006 nicht mehr zu halten. Um das Verfahren „rechtssicher“ zu machen, untersuchten die Planer zwölf Varianten für die Straßenführung. Vier wurden am Ende verglichen – als Verfahren ein absolutes Novum. Die besten Werte erhielt nach Angaben von Junge-Reyer die alte Variante.

Damit ist auch der Vorschlag einer Bürgerinitiative vom Tisch, die sich eine abgetrennte Trasse für die Straßenbahn wünschte. Die hätte auch von Rettungsfahrzeugen genutzt werden können. Für den Autoverkehr wäre dann allerdings nur je eine Fahrspur geblieben. Zusätzlich sollte es Fahrradstreifen auf der Fahrbahn geben. Die Senatspläne sehen den Radweg auf dem Gehweg vor, was nicht an allen Stellen umsetzbar ist. Einzelheiten soll das Planfeststellungsverfahren klären, das Ende des Jahres beginnen soll.

Wer hofft, mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof fahren zu können, muss sich mindestens bis Dezember gedulden. Erst dann will die BVG den Regelbetrieb vom Brandenburger Tor zum Hauptbahnhof aufnehmen. Am Brandenburger Tor endet die U-Bahn; weiter geht es nur mit der S-Bahn. Der Anschluss zum Alexanderplatz könnte bis 2020 dauern.

In ganz weite Ferne gerückt ist der Bau der Nord-Süd-Verbindung der S-Bahn zum Hauptbahnhof. Zunächst ist eine Abzweigung vom Nordring vorgesehen, die im Hauptbahnhof endet. Vor 2012 werden hier nach derzeitigen Plänen aber keine Züge fahren. Und für den Weiterbau nach Süden gibt es gar keine Terminvorstellungen. Trotzdem, prognostiziert die Bahn, sollen sich täglich bis zu 300 000 Menschen im Bahnhof aufhalten.

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