Berlin : Der Hauptmann zieht immer

Auch die Berliner Bezirke präsentieren sich auf der ITB. Der Stand wird aber vor allem vom Fachpublikum besucht

Stefan Jacobs

Während der Hauptmann von Köpenick noch sein Frühstücksbrötchen kaut, haben sie am Stand von Berlin schon Stress. Am Samstagmorgen drängen auf der Tourismusbörse ITB die ersten Besucher in die Hallen, in ihren Haaren taut der Schnee. Der Berliner Messestand ist rund wie ein Fußball. Man betritt ihn durch einen Brandenburger-Tor-Nachbau mit Fußball drauf. Auf den Bistro-Tischen für die Fachbesucher stehen Fußball-Aschenbecher und Gestecke mit Fußbällen. Christian Tänzler von der Berlin Tourismus Marketing-Gesellschaft (BTM) sieht müde aus, aber zufrieden. „Berlin ist selbst in Übersee angesagt“, stellt er fest.

Vor ihm auf dem Tisch liegt eine Statistik, laut der ein Doppelzimmer in Berlin durchschnittlich 126 Euro kostet – halb so viel wie in London oder Mailand. 85 000 Hotelbetten hat die Stadt. „Dieses Jahr werden wir die brauchen“, sagt Tänzler. Die BTM rechnet mit 700 000 zusätzlichen Übernachtungen zur WM – und Nachwirkungen in den Folgejahren. Nebenan verteilt die Flughafengesellschaft Prospekte, in denen sie so tut, als sei der Ausbau von Schönefeld schon klar. Mit dem Gerichtsurteil am Donnerstag wird sich zeigen, ob diese Hoffnung stimmt.

Der Hauptmann von Köpenick hat sich inzwischen seine Uniform übergeworfen. Der südöstliche Bezirk ist traditionell als einziger mit einem eigenen Stand auf der ITB vertreten. „Der Hauptmann zieht immer“, sagt Marketing-Frau Silke Behr vom Tourismusverein. Wer Berlin kenne, nehme sich das grüne Köpenick vor. Dass Besucher dort eine leblose Altstadt, einen morschen Müggelturm und lausige Radwege erleben, ist eine andere Geschichte. Die Probleme seien erkannt, versichert Silke Behr. Außerdem habe man ja Perlen wie das sanierte Barockschloss und die Wissenschaftsstadt in Adlershof. Weil die BTM die Gesamtberliner Highlights an ihrem Stand zentral vermarktet, muss die Präsentation der anderen elf Bezirke auf einen Stehtisch passen.

Während die Berlinvermarkter das Fachpublikum unterhaken, drängt es die Privatbesucher überwiegend zu den Ständen der Reiseziele des nahen und weiteren Umlands. Die Brandenburger können ihre Fernradweg-Flyer kaum schnell genug nachlegen, den Mecklenburgern wird alles aus der Hand gerissen, und in der Polen-Halle kommt der Besucherverkehr fast zum Erliegen, als am Stand von Stettin auch noch Schmalzstullen geschmiert werden.

Bei so viel guter Stimmung findet man kaum einen Nörgler in den Messehallen. Gut, die Kubaner haben keine Infos zu Havanna. Und der Mann, der am Stand von Südafrika als Einstimmung auf die WM 2010 Fußbälle in die Menge wirft , murrt: „There are no vibes here.“ Keine Fußball-Atmosphäre in Berlin? Mag sein. Dafür sind die Bedingungen für Wintersport ideal.

Die ITB ist letztmalig heute 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt 13 €, ermäßigt 7,50 €.

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