• Der heilige Gebetstag war ein Tag der Trauer - in den Berliner Moscheen wurde der Toten in der Heimat gedacht

Berlin : Der heilige Gebetstag war ein Tag der Trauer - in den Berliner Moscheen wurde der Toten in der Heimat gedacht

S. Edler,A. Kögel

Am gestrigen Freitag, dem traditionellen Gebetstag der Moslems, haben unzählige Türken in den Moscheen Berlins der Opfer des Erdbebens gedacht. Die türkischen Spitzenvereine der Stadt gründeten einen Krisenstab, der die Spendenaktionen koordinieren soll. Gestern starteten zwei Hilfsflüge mit Medikamenten vom Flughafen Tegel aus in die Türkei. Viele Türken buchen einen Flug in die Heimat, um Verwandte zu suchen und zu helfen.

Der Mann sitzt barfuß auf dem Boden, lässt seine Gebetskette durch die Finger gleiten und schaut sinnierend ins Leere. Aus der Moschee "Berlin Türk Sehitligi Camii" am Columbiadamm schallen Gebete des Imam, Raci Torum. Warum kam dieses Beben gerade jetzt? Wie können wir helfen? Was ist eigentlich wichtig im Leben? Es sind Fragen wie diese, mit denen sich die Männer heute beschäftigen. "Jeder trauert, auch wenn man seine Verwandten noch nicht erreicht oder keinen Freund verloren hat. Es sind doch alles Menschen", sagt Ayhan Bozhalil aus Schöneberg. Jetzt sei vielen auch egal, ob es sich um Türken oder Kurden handele.

Jeder Moslem sollte fünf Mal am Tag beten, aber am heiligen Freitag, auf Türkisch "Cuma", trifft man sich mittags zur Koranlesung in der Moschee. Der Vorsitzende des Türkischen Kulturvereins, Ismail Tanriver, kündigte bei dem Treffen eine Spendenaktion an. Der 14-jährige Ugur findet "unglaublich, was passiert ist". Seine Schulkameraden seien zum Glück alle wieder wohl- behalten in Berlin.

Andere Türken wollen trotz der desolaten Lage so schnell wie möglich in die Türkei, um Vermisste zu suchen oder Hilfe zu leisten. Derzeit könne man ohne Probleme einen Flug buchen, sagt der Direktor von Turkish Airlines in Berlin, Serdar Denizok. Sonst verkehren zehn Flüge in der Woche, während der Urlaubszeit wurden 50 zusätzliche Flüge eingerichtet. Nach Angaben von Rosemarie Meichsner, Flughafen-Sprecherin, verließen gestern vier Maschinen Berlin in Richtung Istanbul. Heute fliegen drei ab, fünf kommen an.

Bereits gestern abend brachten zwei Sechs-Tonner-LKWs Ladungen mit Medikamenten zum Flughafen Tegel, die von dort mit der Turkish Airlines in die Türkei transportiert wurden. Die Fluggesellschaft stellt auch für weitere Lieferungen ihren Cargo-Service zur Verfügung.

Benötigt werden neben Zelten für die vielen Obdachlosen und medizinisches Material auch Leichensäcke. "Die fehlen dort dringend, denn wir fürchten, dass die Zahl der Toten auf 25 000 bis 30 000 ansteigen kann", sagt der Geschäftsführer des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg.

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