Berlin : Der "Hotte" im Trash-Team der Berliner Teufelsberger erlag den Folgen einer Hepatitis

Axel Schock

Gigolobärtchen, Goldkettchen, ausgeleierte Jogginghosen: seine markanten Attribute. Der Kosmos seiner Bühnenfigur Hotte erstreckte sich von der Neuköllner Nogat- bis zur Karl-Marxstraße. Ein West-Berliner Vorzeigeproll erster Güte, breiter Dialekt, ein vorsintflutliches Frauenbild - im tiefsten Herzen eine gute Seele. Mit zehn verschiedenen "Edith & Hotte"-Bühnenshows hat die Neuköllner Teufelsberg-Produktion zwischen 1992 und 1995 sezierend-genaue, liebevoll satirische Abbildungen des Kleinbürger-Lebens in ihrem Quartier inszeniert. Olaf Wriedt bildete seit 1990 mit seinem Lebensgefährten Ades Zabel den Kern der Off-Theatertruppe. In ihren Filmen (wie der Parodie "Drei Damen vom Grill") und Bühnenshows (zuletzt: "Der Bimmler von West-Berlóen") entwickelten sie eine eigensinnig humorige Ästhetik der Geschmacklosigkeit, lange bevor der Begriff "Comdy" hierzulande etabliert war. Tunten-Trash jenseits herkömmlicher Travestieshows, subkulturelles Volks- und Boulevardtheater, das sich pubertäre Entgleisungen und Tabubrüche genauso leistet wie hemmungslose Improvisation. Der gebürtige Kreuzberger Wriedt hatte vor seiner Bühnenkarriere in "proletarischen" Berufen gearbeitet, vom Bauhandwerker bis zum Drucker. Während der 80er Jahre in der Besetzer-Szene wie beim linksalternativen "Radio 100" aktiv, sammelte er erste Kabarett-Erfahrung beim BKA-Theater. Am 5. Januar ist Olaf Wriedt 39jährig den Folgen einer Hepatitis erlegen.Am 31. 1. um 20 Uhr 30 in der Bar jeder Vernunft: "Ein Abend für Hotte. Die Teufelsberger und Freunde nehmen Abschied".

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