Berlin : Der Ideen-Jongleur

Bereit für das Leben nach der Ente: Heute Abend startet „Belle et Fou“, die neue Show von Hans Peter Wodarz

Bernd Matthies

Natürlich kommt er von der Ente nicht mehr los. Mehr als 700 000 Stück hat Hans-Peter Wodarz braten lassen für seine Show „Pomp Duck and Circumstance“, und deswegen heißt das Restaurant, das er gegenwärtig im Erdgeschoss der Spielbank eröffnet, „Blaue Ente“. Ein Hauch von Marlene, dazu gutes Essen – die Basis des Wodarzschen Kosmos.

Aber das neue Restaurant spielt bekanntermaßen nur eine Nebenrolle im Konzept von „Belle et Fou“, dem erotischen Tanztheater, das heute Abend Premiere in der Spielbank feiert. Als Wodarz das Konzept im vergangenen Herbst vorstellte, da tat er das offenbar wirklich in der Illusion, beide Unternehmen könnten nebeneinander funktionieren; der Nachtclub schien die logische Ergänzung zum kulinarischen Klamauk im Spiegelzelt. Doch dann kam der Krach mit seinem Enten-Partner, dem Backwarenfabrikanten Walter Feucht, er trennte sich vom Zelt, und plötzlich war aus dem Spielbein das Standbein geworden. Wieder einmal setzt Wodarz, der Ideen-Jongleur, alles auf eine Karte.

Das geht nicht immer automatisch gut, nicht einmal bei ihm. Als er 1996 das ganz große Rad drehen wollte und versuchte, die Pomp-Duck-Show erst in New York und dann in Atlanta zu etablieren, stürzte ihn eine Serie von Pleiten, Pech und Pannen in den Ruin. Doch er fing von vorn an und landete mit einer gewissen Zwangsläufigkeit in Berlin, jener Stadt, die er längst als seine Heimat betrachtet.

Am liebsten wäre er vermutlich Direktor in einem Revuetheater, Friedrichstraße um 1928, weil der Tanz auf dem Vulkan Energien und Ideen freisetzt – aber 2006, warum nicht? „Marlene-Dietrich-Platz!“, das sagt er immer mit drei deutlich hörbaren Ausrufezeichen, so, als wüsste er nicht, dass das nur ein beliebiger Name für einen Haufen Neubauten ist. Ihm ganz egal. Es muss eben nur einer kommen, der dem Namen Leben gibt, meint er, warum nicht Hans-Peter Wodarz aus Wiesbaden? Hotelpage, Sternekoch, Impresario – das sind die Etappen im Leben des heute 56–Jährigen, der mit 15 die Schule hinschmiss und sich auf die Wanderung begab. Zum richtigen Zeitpunkt war er in München, als nämlich Eckart Witzigmann im „Tantris“ zu seinem kulinarischen Höhenflug startete. 1975 machte er sich mit der Ur-Ente, der „Ente im Lehel“ selbständig, gründete dann in Wiesbaden die „Ente vom Lehel“. „Panem et Circenses“, der PompDuck-Ahne, entstand 1990 – der Urknall der „Erlebnisgastronomie“, die bis heute immer neue Varianten zeugt.

Auch „Belle et Fou“ gehört dazu, allerdings liegt der Schwerpunkt der Show eindeutig nicht beim Essen. Sie füllt vielmehr die Lücke, die im erotischen Berliner Nachtleben klafft zwischen brav familientauglicher Groß-Show, AbschleppDisco und räudiger Strip-Bude, soll sinnenfrohe und anspruchsvolle Gäste jenseits des Jugendalters, Touristen zumal, locken. Ob sie schön wird, wie der Name verspricht, wird man sehen. Verrückt, fou, ist das Unternehmen auf jeden Fall, denn die mehr als sechs Millionen Euro, die drin stecken, erinnern zwangsläufig an das traurige Schicksal des auch nicht so sehr viel teureren „Goya“. Sollten Wodarz die Hosenbeine flattern, lässt er es sich zumindest nicht anmerken. „Alles auf gutem Weg!“ verkündete er am Mittwoch in der heißen Phase zwischen Generalprobe und Vorpremiere. Heute Nacht wissen wir mehr.

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