Berlin : Der Ifa-Effekt

Viele Gäste aus dem Ausland, viele Jobs auf der Messe – die Funkausstellung ist ein Konjunkturprogramm

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Touristen sind dem Wirtschaftssenator liebe Gäste, weil sie Geld in die Stadt bringen. Noch lieber sind ihm fachkundige Messebesucher. Von diesen lässt nach Auskunft der Messe GmbH jeder täglich etwa 242 Euro in den Kassen von Restaurants und Hotels. Bei der Ifa werden rund 110000 Fachbesucher erwartet. Sie lassen zusammen etwa 40 Millionen Euro in der Stadt. Alle großen Messen und Kongresse zusammen bringen Berlin nach Schätzungen jedes Jahr eine zusätzliche Kaufkraft von 655 Millionen Euro. Messen sind regelrechte Konjunkturprogramme für die Dienstleistungsbranche.

Die Ifa ist den Stadtwerbern besonders wichtig, weil sie sehr viele internationale Gäste anlockt. „Die Funkausstellung könnte gerne jedes Jahr stattfinden“, sagt Natascha Kompatzki von der BerlinTourismus-Marketing. Ihr besonderes Augenmerk liegt dabei auf den 6800 Journalisten aus 78 Ländern, die sich angemeldet haben. Die werden neben den Messe- Highlights auch Eindrücke aus der Stadt nach Hause senden.

Die Hotellerie rechnet während der Ifa mit einer Auslastung von 80 bis 90 Prozent – normal sind rund 60 Prozent. Hotels rund um das Messegelände sind in der Regel ausgebucht. Einen Zimmer-Notstand, wie er in anderen Kongressstädten gelegentlich auftritt, wird es in Berlin jedoch nicht geben, sagt Peter Vogel vom Hotel- und Gaststättenverband.

Auch für den Berliner Jobmarkt gibt die Funkausstellung wichtige Impulse. Etwa 20000 Menschen arbeiten auf der Ifa – als Hostess, Dolmetscher, Aufbauhelfer, Werbeassistent, Kellner, Wachschutz oder Reinigungskraft. Allein 300 Mitarbeiter externer Reinigungsfirmen sind auf der Messe beschäftigt. Die Messe selbst hat 33 Hostessen eingestellt, um Auskünfte für die Besucher zu erteilen. Die Ifa sichert nach Angaben der Messe insgesamt etwa 5000 Arbeitsplätze dauerhaft in Berlin, das gesamte Messegeschäft zwischen 18000 und 22000. „Wir sind ein mittelständisches Unternehmen mit den Auswirkungen eines Großkonzerns“, sagt Messe-Sprecher Michael Hofer.

Die Messe-Gesellschaft selbst hat etwa 360 Mitarbeiter und machte 2003 – im Jahr der letzten Ifa – einen Umsatz von 119 Millionen Euro. Erwirtschaftet wird das Geld von 50 gastronomischen Betrieben auf dem Gelände, einem Catering- Service, dem Messebau – und den Standmieten. Bei der Ifa kostet der Quadratmeter Hallenfläche zwischen 139 und 189 Euro.

Profitieren konnte neben vielen örtlichen Handwerksbetrieben bisher auch die Bewag, Berlins Stromanbieter. Bei der Ifa 2003 verbrauchten die Aussteller 1,5 Millionen Kilowattstunden Strom. In diesem Jahr dürfte der Energiebedarf noch größer sein. Nur leider hat die Messe jetzt einen anderen Stromlieferanten. loy

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