Berlin : „Der Job ist härter geworden“

Polizist Helmut Sarwas beklagt mehr Brutalität und wünscht sich besseren Schutz der Beamten

Tanja Buntrock

Razzien, Maikrawalle, die wilde Zeit der Hausbesetzer, die „Massenschlachten“ bei den Reagan-Besuchen ’87 und ’89 in Berlin – Helmut Sarwas, Polizeihauptkommissar, 49, hat das alles durch. 25 Jahre hat er mit Helm und Schutzanzug in der Polizeiwanne und in den geschlossenen Einheiten der Bereitschaftspolizei miterlebt. Nach den tödlichen Schüssen auf den Zivilstreifenbeamten Uwe L. am Freitagabend in Neukölln ist auch Sarwas noch immer schockiert. „Man sieht eben, dass es keinen absoluten Schutz für Beamte geben kann“, sagt er.

Sarwas ist zudem stellvertretender Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Nach der schrecklichen Tat in Neukölln wird auch hier diskutiert, ob noch mehr für den Schutz für Polizisten getan werden kann. Denn eines sei klar, da ist Sarwas sich mit seinen Kollegen einig: „Der Job ist härter geworden“. Der Hauptkommissar ist seit 31 Jahren Polizist. Die Respektlosigkeit gegenüber Beamten habe zugenommen. Sarwas sieht darin ein „gesamtgesellschaftliches Problem“. Bei Einsätzen würden Beamte bespuckt, geschlagen und „auf übelste Weise beleidigt.“ So mancher seiner Kollegen nehme das schon als alltägliche Routine hin – auf Anzeigen würden die meisten schon verzichten, sagt Sarwas. „Weil es letztlich doch nichts bringt“.

Auch, wenn der Polizist betont, dass er nicht alle Ausländer als Kriminelle darstellen will, sei doch eine Tendenz auffällig: Besonders die organisierte Kriminalität werde meistens von Ausländern verübt. „Dort hat man es mit anderen Mentalitäten und auch einem anderen Rechtsverständnis zu tun“, sagt er. Konkret heißt das: Viele dieser Kriminellen verstünden gar nicht, warum die Polizei sich „einmischt“. Reagiert werde auf die Einsätze bei Familienstreitigkeiten beispielsweise „mit hoher Emotionalität“.

Doch was kann die Polizei dieser offenbar immer stärker werdenden Brutalität und Respektlosigkeit entgegensetzen? Sarwas meint, dass Aktionismus nichts bringt. Im Kleinen müsse man anfangen, über Veränderungen nachzudenken. Und so könne er verstehen, wenn seine Kollegen jetzt forderten: Bei einer Routinekontrolle, egal welcher Art, immer nur noch mit gezogener Waffe aufzutreten.

Zudem wird die DPolG demnächst mit Innensenator Ehrhart Körting (SPD) über eine bessere Ausstattung der Funkwagen durch installierte Kameras sprechen. Sarwas glaubt, dass dadurch auch potenzielle Täter abgeschreckt werden könnten.

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