• Der Juniorpartner steckt zurück - Tempelhofer Dominanz im neuen Großbezirk gilt als sicher

Berlin : Der Juniorpartner steckt zurück - Tempelhofer Dominanz im neuen Großbezirk gilt als sicher

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Die Realisten sprechen von Vernunftehe, wenn sie den künftigen Großbezirk Schöneberg-Tempelhof beschreiben. Vernunft bedeutet in diesem Zusammenhang immer, dass einer zurückstecken muss. So auch bei der Fusion des quirligen, bunten Schönebergs mit dem vergleichsweise langweiligen, schwarzen Tempelhof: In dem neuen Gebilde zwischen Wittenbergplatz und Lichtenrade, Friedenau und Flughafen Tempelhof erhält Schöneberg wohl oder übel die Rolle des Juniorpartners. Der Bezirk mit dem weithin bekannten Nachtleben und der hohen Kneipendichte ist viel kleiner als der Industrie- und Gewerbestandort Tempelhof, dem Kritiker nicht ganz zu Unrecht das Prädikat "Kulturwüste" angehängt haben. Schöneberg ist nicht nur kleiner, es hat auch weniger Einwohner und weniger Wahlberechtigte als Tempelhof. In die gemeinsame Bezirksverordnetenversammlung mit ihren insgesamt 69 Sitzen ziehen 41 Verordnete aus Tempelhof ein, aber nur 28 Schöneberger. Es darf als sicher gelten, dass die in Tempelhof dominierende CDU auch im Großbezirk das Sagen haben wird. Vorsorglich hat der Tempelhofer Rathauschef Dieter Hapel (CDU) bereits mehrfach öffentlich davon gesprochen, dass er auch nach der Fusion gern Bürgermeister bleiben würde.

Die Sozialdemokraten werden sich am Eingang zur neuen BVV ganz schön ducken müssen. In Tempelhof waren sie bislang ohnehin ziemlich schwach vertreten, stellten aber immerhin einen Stadtrat. In Schöneberg glaubten Teile der SPD, der Sprung an die Spitze sei nur eine Frage der Modernisierung. Die jungen Reformer kippten zwar den langjährigen Fraktionsvorsitzenden Hanns Leske, versäumten es jedoch, klar zu sagen, was sie anders machen wollen.

Im alternativ geprägten Schöneberg waren die Grünen auch nach dem Mauerfall eine feste Größe. Dass sie 1995 mit Elisabeth Ziemer die Bürgermeisterin stellten, war insofern kein Zufall. Doch in den letzten Jahren kriselte es in der Fraktion. Jetzt müssen sich die zerstrittenen Schöneberger Grünen mit ihren versprengten Tempelhofer Kollegen zusammenraufen.

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