• Der Kampf ums Colosseum wird vor Gericht ausgetragen Artur Brauner verlangt von der Cinemaxx AG, das Kino weiterzubetreiben

Berlin : Der Kampf ums Colosseum wird vor Gericht ausgetragen Artur Brauner verlangt von der Cinemaxx AG, das Kino weiterzubetreiben

Mehr Konkurrenz und weniger Gäste haben zur existenziellen Krise beigetragen

Matthias Oloew

Die Eröffnung 1997 war Anlass für eine große Party. Artur Brauner fühlte sich, als hätte er einen Oscar bekommen. Und Hans-Joachim Flebbe war sicher, das Cinemaxx-Colosseum würde ein Kino der Extraklasse werden. Er unterschrieb einen Mietvertrag für 20 Jahre bei Brauner, der für die Millionen zum Aus- und Umbau des traditionsreichen Kinos in Prenzlauer Berg geradestand.

Die Partystimmung ist lange vorbei. Brauner und Flebbe trinken keinen Prosecco mehr miteinander, sondern lassen ihre Anwälte vor Gericht gegeneinander antreten. Der Hintergrund: Flebbe hat seinen Mietvertrag gekündigt, 14 Jahre vor dessen Ablauf. Brauner steht vor einem Einnahmeverlust von rund 25 Millionen Euro. Und obwohl sich beide nicht mehr freundlich gesonnen sind, haben sie einen gemeinsamen Gegner – das ehemalige Bezirksamt Prenzlauer Berg.

Tatsächlich ist die existenzielle Krise und der heftige Streit um das Kino Colosseum nur zum Teil hausgemacht. Die Entscheidung, in der Kulturbrauerei, nur knapp 1000 Metern Luftlinie entfernt, noch ein weiteres Multiplexkino zu genehmigen, hat dazu beigetragen, dem Colosseum mit seinen zehn Sälen die wirtschaftliche Existenzgrundlage streitig zu machen. 550000 Besucher kamen nach Angaben der Cinemaxx AG im Jahr 2004. Das hört sich stattlich an, reicht aber nicht, um das Haus wirtschaftlich zu betreiben. Statistisch saßen weniger als 50 Personen pro Vorstellung im Colosseum. Bei seiner Eröffnung hatte Flebbe hochgerechnet, das Colosseum brauche mindestens 750000 Besucher pro Jahr, um schwarze Zahlen zu schreiben.

Nach Ansicht von Martin Protze hat vor allem die Politik versagt, aber eben auch die Cinemaxx AG. Protze war lange Zeit der Dritte im Bunde. Schließlich war das Colosseum in seinen Anfangstagen eine Kooperation zwischen Flebbes Cinemaxx und der Berliner Sputnik-Kinogruppe. Und die vertrat Protze. Das Desaster um das Colosseum zeigt nach Protzes Angaben exemplarisch das Scheitern des Konzepts Cinemaxx, die Kinos seien für den Markt einfach zu groß.

Das weist Flebbes Sprecher Arne Schmidt zurück. Er sagt auch, dass wirtschaftliche Gründe nicht zum Entschluss der Cinemaxx AG geführt hätten, den Mietvertrag zu kündigen. Gleichwohl liegen die wirtschaftlichen Zwänge auf der Hand. 20 Prozent weniger Kinogäste gibt es voraussichtlich deutschlandweit in diesem Jahr. Das können die großen Multiplex-Betreiber, die allesamt wirtschaftlich nicht besonders gut dastehen, nicht mehr verkraften.

Also wird gegengesteuert, in der Regel über die Miete. Multiplexkinos, die in Einkaufszentren als Publikumsmagnete funktionieren, zahlen zum Beispiel so gut wie keine Miete mehr. Das wollte Brauner nicht und bestand auf seiner Mietforderung. Er klagt gegen Flebbe, Ende offen.

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