Berlin : Der Kandidat legt seine Konzepte vor

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Mit seiner wirtschaftspolitischen Kompetenz will Walter Momper Punkte machen. Rechtzeitig erschien das Buch zum Wahlkampf. "Berlins zweite Zukunft. Aufbruch in das 21. Jahrhundert." Bei der gestrigen Vorstellung des Bandes wurde zumindest klar, dass der SPD-Spitzenkandidat und Unternehmer einschlägige Kontakte hat. Zu den Herausgebern zählen außer Momper sein Wahlkampfberater Rudolf Steinke von der Senatsverwaltung für Arbeit, der TU-Professor Jürgen Kromphardt, einer der "Wirtschaftsweisen", und der Volkswirt Georg Dybe.

Rund 30 Autoren sind der Frage nachgegangen, mit welchen Konzepten die wirtschaftliche, soziale und politische Zukunft Berlins zu meistern ist, neben Wissenschaftlern auch Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe, Berlins Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing, die Soziologin und ehemalige Senatorin Barbara Riedmüller, der Zukunftsforscher und einstige FU-Präsident Rolf Kreibich, der TU-Präsident Hans-Jürgen Ewers. Mit den Beiträgen des schwedischen Botschafters Mats Hellström und der bisherigen polnischen Gesandten Jerzy Marganski wird zudem der Blick auf die Chancen Berlins durch die Nord- und Ost-Erweiterung der EU gelenkt.

Zehn Jahre nach dem Fall der Mauer sei Berlin "immer noch eine verwundete, isolierte, mit sich selbst befasste Stadt, ist in seiner Politik und Wirtschaftsdynamik Provinz, obwohl die große Kreativität, die großen Potenziale, die potenziellen Wachstumskräfte mit Händen greifbar sind", sagt Momper. Der Schlüssel für eine zweite Zukunft im Zeichen der Globalisierung (nach der ersten durch die Industrialisierung) liege in der Entfaltung technologischer und wirtschaftlicher Kräfte als "Kompetenzzentrum für Mittel- und Nordeuropa".

Was soll Eberhard Diepgen (CDU) aus dem 500 Seiten starken Buch lernen? Wahlkämpfer Momper scherzt: "Er soll Walter Momper das Feld überlassen, dem besseren Regierenden Bürgermeister." Will Momper, da es auch diesmal nach einem Diepgen-Senat von CDU und SPD aussieht, ersatzweise Wirtschaftssenator werden? "Die Frage beantworte ich nicht", sagt er knapp. Schon nach der ersten Gesamtberliner Wahl Ende 1990 war der damals abgewählte Regierende auf dieses Ressort aus; die SPD litt es nicht. Das Buch ist in der edition sigma, Walter Bohn Verlag, erschienen und kostet 44 Mark.

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