Berlin : Der Kandidatenstreit geht weiter

Krach im Pankower CDU-Vorstand. Landeschef Schmitts Zukunft ist ungewiss

Der Mann polarisiert. Gottfried Ludewig will 2009 für die Pankower CDU in den Bundestag – doch erstmal streiten sie sich in seiner Partei über Ludewigs Qualitäten. Voller Zorn hat René Stadtkewitz, Abgeordneter und stellvertretender Kreischef der Pankower CDU, am Wochenende sein Parteiamt niedergelegt. Die Partei sei tiefer gespalten denn je, sagt Stadtkewitz. Das sei die Folge von Ludewigs Wahl – und Folge der Art und Weise, wie Kreischef Peter Kurth den Kandidaten „gegen die Widerstände der Parteibasis“ durchgesetzt habe.

Tatsächlich ist in der Pankower CDU einiges los. Gottfried Ludewig, gerade Mitte zwanzig, gehört offenbar zu den Jungpolitikern, die keine Auseinandersetzung scheuen. Seit er dem CDU-nahen Studentenverband RCDS vorsitzt, befassen sich ein paar Anwälte mit internen Streitereien. Seine Forderung nach einem doppelten Stimmrecht für „Leistungsträger“ passte vielen in der CDU nicht ins sozialstaatliche Konzept – aber in Pankow holte er am Freitag eine Mehrheit von 18 zu elf Stimmen. Zuvor hatte seine Gegenkandidatin, die DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld, aufgegeben. Für Stadtkewitz ist die Angelegenheit damit nicht erledigt. Er sagt, verdiente Parteimitglieder hätten ihm den Austritt angekündigt. Er glaube nicht, dass viele ehrenamtliche CDU-Leute für Ludewig Wahlkampf machen würden. Kurth habe Ludewig durchgesetzt, obwohl es im Kreisvorstand eine Mehrheit gegen ihn und für Lengsfeld gegeben habe.

Das bestreitet Kurth nicht. Doch nicht die Vorstandsmitglieder, sondern die Delegierten der Ortsverbände müssten den Kandidaten nominieren – und da habe Ludewig eine Mehrheit gehabt. Zu einer demokratischen Wahl gehöre es auch, dass die Unterlegenen das Ergebnis akzeptierten „anstatt die Brocken hinzuwerfen“. Die wichtigste Konsequenz aus dem Streit sei für ihn, sich für das Mitgliederprinzip einzusetzen, sagte Kurth. Dann würden die Parteimitglieder direkt über solche Kandidatenfragen entscheiden.

Hinter dem Kandidatenstreit in der Pankower CDU stehen Auseinandersetzungen darüber, ob im Kreisverband alteingesessene Pankower das Sagen haben oder jüngere Leute, die die CDU stark verändern wollen. Doch ist Ludewig auch bei diesen Leuten nicht unumstritten. Ohnehin dürfte er nicht allzu große Chancen auf ein Bundestagsmandat haben, denn die Pankower CDU ist nicht stark genug, um Ludewig einen der ersten fünf Listenplätze zu verschaffen.

So ist auch nicht sicher, ob der ebenfalls am Freitag nominierte Ingo Schmitt den Wiedereinzug in den Bundestag schafft. Schmitt will nicht mehr als Landeschef antreten. Damit hat sich sein Anspruch auf einen der vorderen und damit als sicher geltenden Plätze der Liste der Bundestagskandidaten erledigt. wvb.

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