Berlin : Der Kinderspiegel: Die Weltmeister im Verkneifen

Ute Scheub

Gestern haben die Olympischen Spiele begonnen - in Australien, genau auf der anderen Seite der Erdkugel. Weiter weg kann ein Land gar nicht sein. Weil Australien aber so weit weg ist, werden die Spiele im Fernsehen meistens nachts übertragen: Wenn es bei uns Nacht ist, scheint in Australien die Sonne. Dort fängt jetzt gerade der Sommer an - bei uns wird es Herbst. Ihr seht, vieles ist in Australien anders, und manches sogar genau umgekehrt.

Besonders seltsam sind die Tiere in Australien. Dieser riesige Kontinent war nicht immer durch Meere vom Rest der Welt getrennt. Vor 150 Millionen Jahren hätten die Sportler zu Fuß zu den olympischen Spielen nach Sydney spazieren können. Fast alle Kontinente waren noch miteinander verbunden. Weil das Wasser Australien schon früh zu einer riesigen Insel machte, haben sich dort Tierarten erhalten, die an anderen Orten längst ausgestorben sind. Eines dieser Tiere sieht aus wie ein Teddybär, der nach Hustenbonbons riecht.

Obwohl der Koala so aussieht, ist er kein Bär, sondern ein Beuteltier. Und nach Hustenbonbon riecht er, weil er ausschließlich durch die Eukalyptuswälder Australiens turnt und sich von nichts anderem ernährt als von deren Blättern. Weil diese Eukalyptusblätter kaum Nährstoffe enthalten, versuchen die Koalas, möglichst wenig Energie zu vergeuden. Sie bewegen sich kaum, sind nur fünf Stunden am Tag wach und ansonsten so faul wie die faulsten Faultiere. "Koala" bedeutet übrigens in der Sprache der australischen Ureinwohner "Trinkt nicht". Und tatsächlich können die faulen Beuteltiere auch ganz ohne Wasser auskommen.

Noch viel hartnäckigere Schläfer sind die australischen Wasserhalterfrösche. Wenn ihr Tümpel austrocknet, und das ist im australischen Buschland fast immer der Fall, dann graben sich die schlauen Tiere tief in die Erde ein und bilden aus getrockneter Schleimhaut eine Schutzhülle um sich herum. Fünf Jahre können sie es so ohne Wasser aushalten. Regnet es endlich wieder, dann buddeln sich die Frösche schnell aus ihrem Loch, zeugen ebenso schnell ihren Nachwuchs, und bereits nach einem Monat sind auch die jungen Wasserhalterfrösche in der Lage, sich mit ihren Eltern zusammen wieder in die Erde einzugraben. Bis der nächste Regen kommt.

Auch Kängurus sind Wassersparer. Wenn es im australischen Buschland zu heiß wird, pinkeln sie einfach nicht mehr und können so monatelang ohne Wasser überleben. Es gibt fast 50 Arten von Kängurus. Das stattlichste ist das Rote Riesenkänguru. Es erreicht die Größe eines erwachsenen Menschen und kann bis zu 13 Meter weite Sprünge machen. Die Kleins-ten sind die Rattenkängurus.

Kängurus bekommen immer nur ein einziges Junges. Es sitzt im Beutel der Mutter und saugt sich dort an einer Milchzitze fest. Trotzdem kann eine Kängurumama noch zwei weitere Kinder haben: eines, das schon alleine durch die Gegend springt und eines, das in der Gebärmutter wartet, dass der Beutel endlich frei wird. "Känguru" bedeutet in der Sprache der australischen Ureinwohner "Ich verstehe nicht". Das sollen sie den europäischen Einwanderern geantwortet haben, als die sie nach dem Namen der komischen Hüpfer fragten.

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