Berlin : Der Klaus Kinski des Indierock war in der Stadt

Nils Michaelis

Aus kajalstiftumrandeten Alice Cooper-Augen blickt Bobby Conn ganz weit in die Ferne. Irgendwo über den Köpfen der Zuschauer in der Maria am Ostbahnhof fixiert er einen Punkt und hält Zwiesprache. Noch bevor er zur Gitarre greift, spricht seine Erscheinung von bösen Dingen. Dabei könnte man ihn für die Inkarnation des kerngesunden US-Surfertypen halten, sorglos unterwegs auf der Überholspur des Lebens. Rätselhaft? Rätselhaft! Die Musik geht los. Kein Konzert im engeren Sinne ist das, sondern eine Fremdenführung durch ein Labyrinth der Stile. Vor anderthalb Jahren soll seine Musik wie ein Rocky-Horror-Picture-Show-Glam-Rock-Revival geklungen haben. Aber die Zeiten, wo einem solche Kategorien weiterhalfen, sind vorbei. Zusammen mit einer Geigerin lässt er das Pathos des Dinosaurierrock erklingen, die unerträgliche Leichtigkeit von Discogeigen und dann wieder reduzierten Passagen, zu denen einem allenfalls House-Musik einfällt. Mit dem triefenden Quast einer bratzenden Gitarre überstreicht Conn derweil diesen symphonischen Geländeritt und brüllt mit seiner wohlausgebildeten Gesangsstimme "Wagner, Wagner!" Der Klaus Kinski des Indierock war in der Stadt.

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