Berlin : Der kleene Prinz

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Von Andreas Conrad

Die 100-Euro-Preisfrage in einem künftigen, auf Berlinensien spezialisierten Literaturquiz könnte folgendermaßen lauten: Was haben Asterix und der kleine Prinz gemeinsam - von ihrem Franzosentum mal abgesehen? Die Antwort ist ernüchternd, ja, man kann nicht mal genau sagen, ob derjenige, der die richtige Antwort weiß, die 100 Euro nun erhält oder als erzieherische Maßnahme bezahlen muss. Denn sollte man es nicht besser verschweigen, das nun auch „Le petit prince“ auf Berlinisch parliert? Der Steppke auf seinem Asteroiden B 612 ist für manchen jungen wie alten Leser so etwas wie die Inkarnation des Poetischen. Das kann man von dem hiesigen Zungenschlag nicht unbedingt behaupten, dem doch etwas zutiefst Grobes zu Eigen ist, die Hugenotten konnten da auch nicht viel ausrichten. Ein Clash of Cultures wird hier zwischen zwei Buchdeckeln inszeniert, doch offenbar liegt eine solche Regionalisierung im Trend der Zeit. Schon Max und Moritz mussten dies über sich ergehen lassen, und der Verlag M. Naumann in Nidderau, der den kleinen Engel im vermeintlichen Hauptstadt-Slang für 13,50 Euro unters Volk zu bringen versucht, hat dies mit derselben Vorlage schon auf Pfälzisch, Hessisch, Weanerisch oder Schwäbisch getan, in 15 Mundarten insgesamt. Da kann man sich nur zu Obelix retten und aufstöhnen: Die spinnen, die Berliner.

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