Berlin : Der kleine Reigen

Mit knapp 300 Gästen kämpfte TV-Produzent Andreas Dorfmann im Hotel de Rome unverdrossen um den Fortbestand des Berliner Presseballs.

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Vergangenes Vergnügen. Da war noch volles Haus: Berliner Presseball 2004. Foto: ddp
Vergangenes Vergnügen. Da war noch volles Haus: Berliner Presseball 2004. Foto: ddpFoto: ddp

So richtig rund läuft der Berliner Presseball schon lange nicht mehr. Insofern darf man es fast als Wunder werten, dass er auch in diesem Jahr stattgefunden hat. Aber eine so lange Tradition gibt man nicht einfach auf, und so wagte TV-Produzent Andreas Dorfmann einen radikalen Neustart im Puppenstubenformat. Mit knapp 300 treu ergebenen Gästen trug er am Samstagabend im Hotel de Rome den 114. Berliner Presseball seit 1872 aus, den er gern als ältesten Ball der Welt bezeichnet. Als der Ball in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens in West-Berlin war, kamen 4000 Gäste zu dem Ereignis. 2012 waren es noch 900, aber da gab es auch den ADAC-Ball noch mit 3000 Gästen. Der wurde inzwischen ganz abgeschafft.

Dass viele frühere Fans inzwischen zu alt zum Tanzen sind, gibt Dorfmann freimütig zu. Prominente, die Honorar erhalten wollen für ihr Kommen, statt Eintritt zu zahlen, sind ebenfalls nicht mehr willkommen. Da folgt Dorfmann einem Trend, der sich bei vielen anderen Charity-Veranstaltungen längst durchgesetzt hat. Ein wahrer Prominenter ist in seinen Augen Alt-Playboy Rolf Eden, der sich immer zuerst erkundige, wie viel er spenden solle und wohin. Zum Kampf ums Überleben gehörte auch die Umwidmung des Balls zum reinen Charity-Event. Ballkarten gab es für Spenden zwischen 250 Euro (Flanierkarte) und 15 000 Euro (kompletter Tisch). Ein mildtätiges Herz war also definitiv eine Grundvoraussetzung für die Teilnahme. Veranstalter war der Förderverein mit Andreas Dorfmann als Vorstandsvorsitzendem. Den Erlös erhält die RTL-Stiftung „Wir helfen Kindern“.

Nachdem vom Ball 2012 noch nach und nach ausstehende Honorare beglichen werden müssen, sollte der Neubeginn auch auf künstlerischer Ebene vergleichsweise bescheiden erfolgen. Brandon Stone etwa kennen Zuschauer der Sendung „The Voice of Germany“, Swing-Musiker Andrej Hermlin kam mit Sohn David. Die Mitwirkenden hatten sich bereit gefunden, gratis für den guten Zweck aufzutreten.

Wenn er überhaupt überlebt, wird sich dieser Ball wohl künftig einreihen in den Reigen kleinerer winterlicher Tanzveranstaltungen, die abseits vom Rampenlicht ja durchaus zahlreich stattfinden. Zur Begrüßung der Gäste waren die Kandidaten zur Wahl von Miss und Mister Ostdeutschland angetreten, die am Sonntag in Berlin stattfindet. Als letze Amtshandlung zelebrierten die Sieger des vergangenen Jahres, beide Berliner, den Eröffnungstanz. Der verzögerte sich allerdings, weil die Gäste vorsichtshalber erst mal das Büfett stürmten.

Die Tombola, einst Presseball-Legende, wurde gestrichen. Stattdessen war für den späten Abend eine Versteigerung geplant, bei der auch eine Party für 1000 Leute unter den Hammer kommen sollte. Die hätte kaum jemand so gut gebrauchen können wie der sichtlich abgemagerte Veranstalter selbst. Elisabeth Binder

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