Berlin : Der König dankt ab

B.B. King spielt zum letzten Mal in der Waldbühne

Sebastian Leber

Seine Finger huschen immer noch über das Griffbrett der Gitarre, als wäre er Anfang zwanzig. Trotzdem soll B.B.Kings heutiger Auftritt der letzte in Berlin sein, zu sehr schmerzten inzwischen Rücken und Knie: „Mit meinen 79 Jahren muss ich etwas kürzer treten.“

Mit B.B.King verabschiedet sich heute nicht nur einer der einflussreichsten Bluesmusiker der letzten fünfzig Jahre, sondern auch derjenige mit der größten Bühnenpräsenz. Über 300 Auftritte pro Jahr legte er in guten Zeiten hin – seit er an Diabetes leidet, sind es immerhin noch 200. Jedes seiner Konzerte folgt einem simplen, aber überzeugenden Masterplan: Zu Beginn steht nur die Band auf der Bühne, spielt ein oder zwei Lieder. Dann erst wird der „Blues Boy“ alias B.B. angekündigt – und King stolziert auf die Bühne. Natürlich mit „Lucille“ in der Hand, so heißt die schwarze Gibson-Gitarre, zu der King eine innige Beziehung hat. Wenn der Musiker gefragt wird, warum er nicht verheiratet sei, lautet seine Standardantwort: „Ich habe doch Lucille.“

Der Legende nach hat der Musiker sogar einmal sein Leben riskiert, um Lucille aus einer brennenden Kneipe zu retten.

Nach 15000 Konzerten, 90 Alben und Hits wie „The thrill is gone“ oder „I like to live the love“ ist B.B. King selbst zur Legende geworden. Sein großes Verdienst ist es, dass seit den 60er Jahren auch weiße Amerikaner in Scharen Blues hören. King hat den Blues über Jahrzehnte erneuert, mit Rock-Elementen versehen und weltweit populär gemacht. Eric Clapton und die Rolling Stones bezeichnen King als ihr großes Vorbild, und selbst so denkbar bluesferne Gestalten wie Angus Young, seines Zeichens Krach-Rocker von AC/DC, berufen sich auf King.

Insgesamt acht „Grammy“-Musikpreise hat der selbsternannte „Botschafter des Blues“ bis heute erhalten. In seiner Heimatstadt Indianola im Mississippi-Delta ist kürzlich der Grundstein für ein zehn Millionen Dollar teures B.B.-King-Museum gelegt worden – „dabei bin ich doch noch gar nicht tot", wie der Musiker anmerkt.

Dass B.B. King nie wieder in Deutschland auftreten wird, können sich seine Bewunderer nicht vorstellen. Auch der Sänger selbst hat die Hoffnung, vielleicht handele es sich ja bloß um „meine erste Abschiedstournee".

Für das heutige Konzert in der Waldbühne gibt es noch Karten. Im Vorprogramm spielen ab 17.30 Uhr Randy Crawford, Oleta Adams und Renée Olstead.

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