Der Konflikt in Kürze : Flüchtlinge und Arbeiter

Bettina Malter

Wie in Deutschland grenzten in Vietnam jahrzehntelang zwei konträre Systeme aneinander. 1954, nach dem Krieg gegen die französische Kolonialmacht, wurde Vietnam in zwei Nationalstaaten, ein Nord und ein Süd geteilt. Die USA stützten lange den Süden, wo nach kurzer Zeit eine strikt antikommunistische Militärdiktatur entstand. Im Norden entstand ein kommunistisches Regime unter der Führung von Präsident Ho Chi Minh, der noch im heutigen Vietnam als „Vater der Nation“ gilt.

Gegen den Einfluss der USA im Süden kämpfte seit der Teilung eine bewaffnete Guerillaorganisation, die bald von den Nordvietnamesen unterstützt wurde. Mehr als zwanzig Jahre nach der Teilung – mit dem Ende des Vietnamkriegs – siegte der kommunistische Norden über den Süden. Saigon, die Hauptstadt Südvietnams, fiel am 30. April 1975. Mehr als eine Million Südvietnamesen flohen in der Folge in kleinen Booten über das südchinesische Meer. Tausende starben. Am 3. Dezember 1978 wurden die ersten südvietnamesischen Flüchtlinge, sogenannte Boat People, in die Bundesrepublik Deutschland eingeflogen.

Über die Jahre wurden fast 40.000 Vietnamesen aufgenommen. Auf der anderen Seite der Mauer warb die DDR um Arbeitskräfte, auch im wiedervereinigten Vietnam. Bis zur Wende kamen fast 70 000 vietnamesische Vertragsarbeiter. Sie lebten meist abgeschirmt von der deutschen Bevölkerung. Heute leben etwa 20.000 Menschen mit vietnamesischen Wurzeln in Berlin. Wie viele genau davon zur Community der ehemaligen Boat People und wie viele zu jener der Vertragsarbeiter gehören, ist nicht erfasst.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben