Berlin : Der Konkurs ist zunächst abgewendet

Annekatrin Looss

Das Kesselhaus musste draußen bleiben. Zur Pressekonferenz der Gesellschafter der Kulturbrauerei GmbH und deren seit 1. November berufenen Geschäftsführerin Karin Baumert waren die Betreiber des Konzert- und Tanzsaals nicht eingeladen. Nicht nur das, sie hatten sogar Hausverbot. In der Konferenz sollte es darum gehen, wie die Kulturbrauerei aus den finanziellen Nöten, in die sie aufgrund hoher Personalkosten seit dem Wegfall der ABM-Stellen im Jahr 1999 und laut Baumert überhöhten Betriebskosten, geraten war, geholt werden konnte. Zunächst erklärten die Gesellschafter, dass es in der Brauerei keineswegs so chaotisch zuginge, wie in den Medien dargestellt. Einige Projekte, wie beispielsweise das Theater Ramba Zamba, arbeiten noch immer sehr erfolgreich. Auch der Konkurs sei erstmal abgewendet, erklärte Baumert.

Die Personalkosten seien durch die Kündigung von drei der acht festangestellten Mitarbeiter reduziert worden. Und die Verhandlungen mit der Treuhand über eine Stundung der Betriebskosten seien aussichtsreich. Außerdem arbeite die neue Geschäftsführung an einem Wirtschaftskonzept und einer Notbewirtschaftung.

Was dann folgte, waren Schuldzuweisungen. Über den Hauptschuldigen war man sich einig: Joachim Sommermeier, kürzlich fristlos gekündigter Geschäftsführer der Kulturbrauerei GmbH. Er habe seine Aufgabe nicht mehr beherrscht, unerklärliche Vorgänge getätigt und zum Schluss vollkommen den Überblick verloren, so der Vorwurf. Anstatt die geschäftlichen Probleme offenzulegen und zu analysieren, habe er sie verwischt.

Zu diesen unerklärlichen Vorgängen zählt wohl auch der im Sommer unterschriebene Pachtvertrag mit der Kesselhaus GmbH, dem gewinnträchtigsten Mieter auf dem Gelände. Die Kesselhaus GmbH war vor einigen Jahren aus der Kulturbrauerei GmbH ausgegründet worden, um erstens deren Allgemeinnützigkeit zu sichern und zweitens durch die Pacht regelmäßige Einnahmen zu sichern. Mit dem Pachtvertrag hätten Sommermeier und die Kesselhaus GmbH die Gesellschafter der Kulturbrauerei vor vollendete Tatsachen gestellt. Seltsam nur, dass auch Gesellschafter Stefan Weiss, in seiner Eigenschaft als Prokurist den Vertrag unterschrieb. Nun jedenfalls herrscht Krieg auf dem Gelände der Brauerei. Die Waffe: Hausverbote. Die Kesselhausmitarbeiter dürfen den Pferdestall nicht betreten, Karin Baumert ihrerseits wurde des Kesselhauses verwiesen. Begründung: Baumert habe versucht, den Veranstaltungsbetrieb zu stören, indem sie technische Geräte aus dem Kesselhaus entfernen lassen wollte. Baumert dagegen sagt, sie habe lediglich die Technik, die die Kulturbrauerei dem Kesselhaus zur Nutzung überlässt in Augenschein nehmen wollen. Denn ab sofort solle das Kesselhaus dafür bezahlen. Die Kesselhausbetreiber dagegen sind der Meinung, dass der Preis für die Technik schon im Pachtzins von 33,75 Mark kalt pro Quadratmeter enthalten ist. Ähnlicher Streit ist um das Personal entbrannt. Die Mitarbeiter der Kulturbrauerei, darunter ein Hausmeister, sind auch für das Kesselhaus tätig.

Nun ist der Pachtvertrag mit dem Kesselhaus fristlos gekündigt. Während die Kesselhausmitarbeiter nach eigenen Angaben auch weiterhin das Gespräch suchen werden, wolle sich die Kulturbrauerei jetzt nach einem neuen Betreiber umsehen oder diesen Bereich selbst übernehmen, sagt Dag Zippel vom Kesselhaus. "Wahrscheinlich glauben die, sie können das besser."

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