Berlin : Der Kontakte e.V. kümmert sich um leukämiekranke Kinder, bekommt aber Gegenwind

Amory Burchard

Als kurz nach Mitternacht der Abspann eines Dokumentarfilms des Bayerischen Rundfunks über leukämiekranke Kinder in Russland über den Bildschirm lief, stockte Eberhard Radczuweit der Atem. Die Bilder der von Chemotherapie geschwächten Kinder, ihrer verzweifelten Eltern und der trotz chronischer Unterbezahlung um jedes Leben ringenden Ärzte hatten den Berliner Maler und Graphiker tief getroffen. Radczuweit sah diese Bilder nicht zum ersten Mal. Er ist ehrenamtlicher Projektleiter bei dem Berliner Verein "Kontakte e.V.", der seit zehn Jahren eine Partnerschaft für leukämiekranke Kinder in Russland übernommen hat - ein Projekt, das hauptsächlich aus Spenden finanziert wird. Der Dokumentarfilm handelte von dieser Hilfsaktion. Im Abspann sollte das Spendenkonto eingeblendet werden. Aber die Einblendung fehlte.

"Ich war für viele Tage schier gelähmt", sagt Eberhard Radczuweit. Das fehlende Spendenkonto bedeutet für den Verein und für die kranken Kinder einen empfindlichen Verlust. Alle zwei Jahre brauche "Kontakte e.V." eine solche Medienkampagne, um das Spendenkonto wieder aufzufüllen, erklärt Radczuweit. Vom Bayerischen Rundfunk erfuhr der Verein jetzt, warum der Spendenhinweis gestrichen wurde. Der Sender hatte vor der Ausstrahlung des Films am 18. September wie üblich das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), mit Sitz in Berlin, um eine "Unbedenklichkeitsbescheinigung" gebeten. Diese Bescheinigung ist so etwas wie das kleine "Spendensiegel", das Hilforganisationen bestätigt, seriös zu arbeiten. Dem Verein "Kontakte e.V." verweigerte das DZI diese Bestätigung. Das Institut teilte dem Bayerischen Rundfunk mit, "Kontakte e.V." sei "zwar guten Willens, aber nicht professionell genug".

Auf dieses Urteil reagierte nicht nur der Verein, sondern auch Berliner Ärzte, die seit vielen Jahren an dem Leukämie-Projekt beteiligt sind, mit Bestürzung. "Ich kenne den Verein seit zehn Jahren, und ich bin sicher, dass man mit dem Spendengeld so verantwortungsbewusst umgeht, wie keine andere mir bekannte Organisation", sagte Professor Günter Henze, Leiter der Onko-Hämatologie am Virchow-Klinikum und Präsident des Internationalen Verbandes der Kinderonkologie. In dem von Kontake unterstützen Kooperationsprogramm werden "eine den russischen Bedingungen angemessene Therapie" entwickelt, medizinisches Personal weitergebildet und für jährlich 250 000 Mark Medikamente eingekauft, die Russland nicht produziert. "Was da geleistet wurde, ist phänomenal", sagt Professor Henze. Die Überlebenschance der in Russland am Projekt beteiligen Kinder habe sich innerhalb von zehn Jahren von sieben auf 70 Prozent erhöht. 800 leukämiekranke Kinder wurden durch "Kontakte" gerettet.

Kinder-Onkologe Arend von Stackelberg, Mitarbeiter von Professor Henze und Vorstandsmitglied von Kontakte e.V. sucht nach einer Erklärung für das negative Urteil des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen. Möglicherweise gelte das Kontakte-Prinzip, an russischen Regierungsstellen und den Verwaltungen der Krankenhäuser vorbei direkt mit den Ärzten zu kooperieren, als "unprofessionell". Gerade dieses Prinzip, den Ärzten ihre Fortbildungsstipendien und die Medikamente für die Kinder persönlich auszuhändigen, sei jedoch besonders effektiv. "Auf allen anderen Ebenen verliert sich die Hilfe irgendwie", sagt von Stackelberg.

Das DZI ist nicht zu einer Stellungnahme bereit. Den Brief, in dem Kontakte e.V. gegen das DZI protestiert, habe man "sehr aufmerksam gelesen" heißt es in einem Schreiben an den Verein. Und weiter: "Ihre Schilderungen haben uns betroffen gemacht."Spendenkonto: Kontakte e.V., Berliner Volksbank, BLZ: 100 900 00, Konto: 250 464 04

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