Berlin : Der Konvoi fährt heute Nacht vom Westhafen über Blankenfelde nach Marzahn

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Gestern und heute nacht schleicht zwischen 22 und fünf Uhr der größte Schwerlasttransport des Jahres durch die Straßen Berlins: 48,5 Meter lang ist der Zug, der mit einer Last von 379 Tonnen im Schritttempo vom Westhafen aus durch sieben Bezirke fährt. Ziel: das Bewag-Umspannwerk in Marzahn. "Es geht um den vierten Transport dieser Art", sagt Andreas Eickhoff von der Dortmunder Transportfirma Pieper, "ein 205 Tonnen schwerer Transformator kommt aus Nürnberg auf dem Wasserweg zum Westhafen, wo er - zusammen mit einer Turbine - auf unsere Schwerlastfahrzeuge umgeladen wird. Und dann beginnt die spannende, seit Wochen bis ins Kleinste vorbereitete Fahrt durch die nächtliche Stadt. So lange es noch keinen Zeppelin gibt, der solch schwere Lasten eines Tages durch die Luft fliegen könnte, müssen wir über die Straße - mit allen Konsequenzen."

Bei einem ähnlichen Einsatz im vergangenen Jahr waren zwölf Funkwagen beteiligt. Die diesjährige Tour führt durch fünf (von sieben) Polizeidirektionen, zunächst vom Westhafen über die Turm-, See- und Müllerstraße, von Lübars nach Blankenfelde, in der folgenden Nacht von Blankenfelde über die Prenzlauer Promenade, Wisbyer, Ostsee- und Michelangelostraße zur Landsberger Allee bis ans Ziel in Marzahn. Die erste Tour bis Blankenfelde ist 30 Kilometer lang, der Zug hat dafür sieben Stunden eingeplant.

Wochenlang waren die Techniker der Transportfirma und die Berliner Polizei mit der logistischen Vorbereitung beschäftigt. "Allein die Höhe von fünf Meter 20 stellt uns vor größere Probleme. Sie regelt den Fahrtweg", sagt Detlef Wieske, zuständig für Großraumschwertransporte im Landespolizei-Verwaltungsamt. Die meisten Brücken haben eine niedrigere Durchfahrtshöhe. Oder sie halten die Tonnage nicht aus. Ein ähnliches Problem betrifft jene Straßen, unter denen sich ein U-Bahn-Tunnel befindet. Bricht möglicherweise ein Gewicht von 379 Tonnen ein? Wie steht es mit der Höhe der Straßenbahnleitungen? Genügt es, sie angesichts der heranrollenden Transportmasse anzuheben, oder müssen sie für die Zeit der Durchfahrt demontiert werden?

Der Transport-Konvoi ist fast sechseinhalb Meter breit. Drei Tage vor seiner Fahrt mussten am Straßenrand Halteverbotsschilder aufgestellt werden. Die Polizei notiert jede Nummer von Fahrzeugen, deren Fahrer das Verbot ignorieren. Notfalls werden die Wagen abgeschleppt. Probleme gab es im vorigen Jahr in Lübars, wo Teile des Bürgersteiges beschädigt wurden. Diesmal wird das denkmalgeschützte Kopfsteinpflaster mit Bohlen geschützt, die Straßenbäume erhalten einen fachmännischen Schnitt, bevor der Riese rollt. (Mehr über die Tour in unserer morgigen Ausgabe).

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