Berlin : Der Kreisel wird jetzt zum Stahlskelett

Senat beschließt Asbestsanierung des Hochhauses: Danach bleiben nur nackte Etagen. Abriss noch offen

Christian van Lessen

Die Skyline der Stadt wird bald vermutlich um ein über 100 Meter hohes Stahlskelett bereichert: Der Senat hat für 2008/2009 die Asbestbeseitigung des Steglitzer Kreisels an der Schloßstraße beschlossen. Sie soll fast 17 Millionen Euro kosten. Ob und wann das Hochhaus danach ganz abgerissen wird, ist unklar. Die bislang im Kreisel untergebrachte Bezirksverwaltung soll dauerhaft an sieben anderen Standorten untergebracht werden.

Die Miteigentümergesellschaft Becker & Kries – ihr gehört der Flachtrakt mit zahlreichen Läden und einem Hotel – fürchtet wegen der Großbaustelle jahrelange Einbußen der Geschäfte und erwartet dafür vom Land Schadenersatz in Millionenhöhe. Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD) warnte gestern davor, dass über Jahre hinaus eine „hohler Zahn“ an der Schloßstraße das Stadtbild verschandelt.

Der Senatsbeschluss, der heute im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses behandelt werden soll, sei „keine Lösung, sondern Kosmetik vor den Wahlen“, sagte Geschäftsführer Christian Kube von Becker & Kries. Man habe auf eine Verabredung mit dem Finanzsenator vertraut, derzufolge das Hochhaus abgerissen werde, das Grundstück dann aber Becker & Kries gehöre. Einschließlich einer Pauschalsumme von zehn Millionen Euro wegen Geschäftseinbußen hätte das Land für Asbestsanierung und Abriss insgesamt 35 Millionen Euro ausgegeben, „wäre aus der Sache raus“.

Matthias Kolbeck von der Finanzverwaltung sagte, das Abrissmodell mit Pauschalsumme an die Miteigentümer habe sich im Senat nicht durchsetzen können. Der Miteigentümer könne keinen Schadenersatz verlangen, wenn das Land seinen Hausanteil saniere. Man wolle mit dem Unternehmen „in kontruktivem Gespräch“ über die Zukunft des Hauses bleiben. Becker & Kries hält es weiterhin für das Beste, wenn der Hochhaustrakt vom Land Berlin saniert und dann wieder als Rathaus genutzt wird. Eine Meinung, die auch das Bezirksamt teilt. Mit der dauerhaften Aufgabe des Kreisels verlöre die Verwaltung ihren „bürgerfreundlichsten Standort“, sagte Stäglin.

Der Senat will für den Kreisel eine andere Verwendung „weiter prüfen“. Der FDP-Abgeordnete Klaus-Peter von Lüdeke forderte einen schnellen Ausstieg des Landes aus dem Kreisel, Oliver Schruoffeneger von den Grünen sprach von einem „Armutszeugnis.“ Der Senatsbeschluss sei nichts Halbes und nichts Ganzes, die Abrissfrage werde vertagt.

Das Kreisel-Hochhaus mit rund 620 Mitarbeitern ist so stark asbestbelastet, dass es nur noch bis Ende November 2007 genutzt werden darf. Nach einem Vorschlag der Berliner Immobilien-Managementgesellschaft BIM sollen die Dienststellen auf sieben andere Standorte verteilt werden. Die Kosten für die Herrichtung dieser Standorte und die Umzüge werden etwa 12, 5 Millionen Euro betragen. Der Umzug betrifft etwa ein Fünftel der Beschäftigten. Insgesamt nutzt der Bezirk nach Auskunft des Senats 215 Liegenschaften. Die Entscheidung, den Kreisel aufzugeben, sei Ergebnis gründlicher Wirtschaftlichkeitsprüfung. Eine Grundsanierung für den dauerhaften Betrieb hätte 88,5 Millionen Euro gekostet.

Nach Ansicht des Senats sollte die Verwaltung auf das Alte Rathaus Steglitz, die Rathäuser Zehlendorf und Lankwitz und das frühere Verfassungsschutzamt an der Clayallee verteilt werden. Auch eine frühere Kita an der Beethovenstraße, das Ordnungsamt am Fichtenberg und das frühere US-Hospital an der Fabeckstraße sind als neue Dienstellen im Gespräch.

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