Berlin : DER KÜNSTLER DIE KUNST

Foto: Christian Weineisen
Foto: Christian Weineisen

Philip Topolovac

wurde 1979 in Würzburg geboren. Von 2001 bis 2008 studierte er an

der Universität der Künste Berlin bei Christiane Möbus und schloss 2009 sein Studium mit dem Meisterschülertitel ab. Gemeinsam mit anderen Künstlern betrieb er von 2007 bis 2012 den Projektraum TÄT (www.tät.net). Topolovac sammelt, tüftelt und dokumentiert. Seine Skulpturen und Objekte untersuchen die Beschaffenheit der Welt und hinterfragen

zugleich den untersuchenden Blick. Ob der Künstler nun ganze Miniatur-Bergwelten auf

Baustellen findet und mit Polyester abformt oder Erdbeobachtungssatelliten aus Karton

nachbaut, immer geht es ihm um Konstrukte von Wirklichkeit und unser Verhältnis dazu.

Vom 8. bis 24. November ist Topolovac auf einer Gruppenausstellung im tschechischen

Zentrum, Wilhelmstraße 44, vertreten, vom 23. November bis 20. Dezember stellt er im

Art Project BAZIS, Moosdorfstr. 7–9, aus. Mehr unter http://artnews.org/philiptopolovac

Geschmolzene Zeit. Für sein Projekt „Bodenproben“ hat Philip Topolovac über Jahre

den Aushub von Berliner Baugruben durchkämmt. Dabei fand er immer wieder Glasstücke,

deren bizarre, organische Formen an Muscheln erinnern, an Schneckenhäuser oder Insektenpanzer. Tatsächlich handelt es sich um Produkte der Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg, in den Bränden eingeschmolzene und verformte Splitter von Parfümflakons, Aschenbechern, Milchflaschen, Salzstreuern, Nippes. Im Schutt der Ruinen und später

im Erdboden unter neueren Häusern haben sie die Zeit überdauert. Topolovac präsentiert die Fundstücke als Artefakte, inszeniert sie als Bestandteile einer Museumssammlung.

Ihre zarte ästhetische Wirkung bekommt durch das Wissen um die Geschichte, deren

Zeugen sie sind, etwas Beklemmendes. Vom 7. bis 11. November sind die „Bodenproben“

auf der Kunstmesse Artissima in Turin zu sehen.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben