Berlin : DER KÜNSTLER DIE KUNST

„Berlin grüßt Afrika“. Indem er Betrachter mit einer fein inszenierten Überfülle an Eindrücken konfrontiert, lenkt Marcel Odenbach sie zur Auseinandersetzung mit Europas kolonialer Geschichte zwischen Verführung und Grausamkeit. Bild: Marcel Odenbach, VG Bildkunst, Bonn 2013
„Berlin grüßt Afrika“. Indem er Betrachter mit einer fein inszenierten Überfülle an Eindrücken konfrontiert, lenkt Marcel Odenbach...

Marcel Odenbach,

60, zählt zu den Pionieren der deutschen Videokunst. Seit den siebziger Jahren setzt er sich in seinen Performances, Installationen und Tapes mit dem Medium des bewegten Bildes auseinander. Daneben entstehen seit langem Collagen, für die der Künstler Bücher, Videos, das Fernsehen und Zeitschriften durchforstet. Immer auf der Suche nach dokumentarischen Materialien, die Einfluss auf das kollektive Gedächtnis haben. Odenbach, der in Köln, Berlin und zeitweise in Ghana lebt, studierte Kunstgeschichte, Architektur und Semiotik. Seit 2010 ist er selbst Professor für Film und Video an der Kunstakademie in Düsseldorf. Seine Arbeiten werden von Museen wie dem Hamburger Bahnhof

(Berlin) oder dem Centre Pompidou (Paris) gesammelt und international ausgestellt.

Lebendige Geschichte. Europas koloniales Erbe beschäftigt Marcel Odenbach seit vielen Jahren. In seiner Collage „Berlin grüßt Afrika“ (2013) verknüpft er die jüngere Historie mit individuellen Zeitläufen – und erinnert an die Berliner Konferenz 1884/85, auf der Europa den afrikanischen Kontinent unter sich aufteilte. Auch wenn die Einzelbilder präzise ausgewählt sind, wird der Betrachter überflutet. Von Impressionen der Grausamkeit wie visueller Verführungskraft. Wer mehr wissen will, muss sich vertiefen – was Odenbachs Absicht ist.

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