Berlin : DER KÜNSTLER DIE KUNST

Peter Berndt, 76, malt Landschaften mit dem Blick des Autofahrers. Seit über fünfzig Jahren lebt der Oberlausitzer in Berlin. Mitte der Fünfziger begann er sein Studium an der Berliner Hochschule der Künste, als gerade der Kampf zwischen abstrakter und gegenständlicher Malerei tobte. Der junge Maler schlug sich auf die Seite der Figurativen und entwickelte einen sehr eigenen, städtischen Blick auf die Landschaft. Dem Künstler geht es um den spontanen Eindruck, die Wahrnehmung des flüchtigen Moments. Dafür setzt er sich ins Auto. Je höher die Tachonadel steigt, desto stärker löst sich sein Bildraum auf. Bäume, Kurven, Leitplanken sind keine Abbilder konkreter Orte, sondern das Destillat einer persönlichen Erfahrung: ein Moment, den jeder Autofahrer kennt.

Fliegende Bäume.

Wieder ist es der Blick durch die Windschutzscheibe. Die Landschaft öffnet sich in die Tiefe hinein. Das Bild „Große Sonnenseite II“ von 2011 beschreibt keine konkrete Topografie, sondern ist Ausdruck einer Stimmung. Die Struktur der Bäume löst sich auf, die herbstlich-hellen Farben verlaufen ineinander. Wie bei allen Landschaftsmotiven von Peter Berndt ist die Szenerie menschenleer. Weder gibt es vorbeihuschende Tiere noch entgegenkommende Autos. Der Betrachter saust mit der Perspektive des Fahrers in den Bildraum hinein und biegt quasi dynamisch um die Kurve. Allein die satte Farbigkeit des Asphalts und die klare Linie der Leitplanke geben Halt. Der Sog der Bäume zieht den Blick weiter.

Vom 11. Dezember bis 5. Februar stellt Berndt in der Galerie Petra Lange (Pestalozzistr. 4) aus. hom

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