Berlin : DER KÜNSTLER

Thomas Kilpper,

56, überführt in seine Werk alte Techniken, den Holz- und den Linolschnitt, in neuer Dimension in die Gegenwart. Als Druckstock wählt er sich die Böden leerstehender Häuser, so dass die Bilder eine besondere Aufladung erfahren, gleichzeitig die Spuren der Entstehung vor Ort verbleiben. Bereits während seiner Abschlussarbeit bei Georg Herold an der Städelschen Kunstschule in Frankfurt begann Kilpper, in den Boden einer leerstehenden US-Kaserne zu schnitzen. Bei seiner nächsten Station in London näherte er sich auf die gleiche Weise einem nahe der Tate Modern gelegenen Bürohaus an, in dem das britische Verteidigungsministerium einst seine Geheimdruckerei unterhielt. 2011 beteiligte sich der Künstler auf der Biennale in Venedig im dänischen Pavillon an einer Gruppenausstellung zum Thema Rede- und Gedankenfreiheit. Seine assoziative Mischung von 33 Politikerporträts, verewigt in den Holzbohlen eines riesigen Rednerpodests, stieß allerdings auf geteilte Reaktion. Zu despektierlich, lautete die Kritik. Das Aachener Ludwig Forum zeigt gegenwärtig im Rahmen einer Ausstellung von Villa-Romana-Stipendiaten einen Abdruck von der Bodenarbeit aus Venedig als 15 mal 4 Meter großes Banner. Dort prangen die Bildnisse nun stolz an der Fassade. (www.kilpper-projects.net) NK

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