Berlin : Der Kulturmensch

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VON TAG ZU TAG

Werner van Bebber über

das Leben in der Kunstmetropole

Die ArmaniAusstellung haben wir verpasst. Am Sonntag hätten wir noch hineingehen können. Aber da war diese lange Schlangen von lauter Leuten, die am letzten Tag in interessante und schöne Ausstellungen gehen und unsereins davon abhalten. Es wäre uns zu voll gewesen. Genau wie am Anfang. Mit höchst wachem Interesse kam man an der Neuen Nationalgalerie vorbei – und ermattete angesichts der Menschenmassen mit großem Interesse an Armani und ebenso großem Stehvermögen. So geht es unsereinem ständig in der Kunst- und Kulturmetropole: Alle Leute mit ähnlichen Interessen finden sich zu Beginn und am Ende einer Ausstellung vor den Museen, die meisten früher als man selbst. Fast alles, womit Berlin im Rest der Republik kulturell geworben hat, haben wir deshalb verpasst. Drei Monate läuft die Ausstellung? Da geht man am besten mittendrin, dann ist es leer. Mittendrin hat man es vergessen. So war es bei Jeff Koons und bei der griechischen Klassik. Auch die Azteken werden wir verpassen. Das aber macht uns nur fester in der Überzeugung, nie Kultursendungen im Fernsehen anzugucken, die uns in grober Verkürzung zeigen, was wir in dieser Stadt alles sehen könnten – verfügten wir bloß über ein Minimum von Organisationsvermögen und Entschlossenheit.

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