• Der Landesvorstand will nach der Regionalkonferenz erörtern, wer neuer Bundesparteichef werden sollte

Berlin : Der Landesvorstand will nach der Regionalkonferenz erörtern, wer neuer Bundesparteichef werden sollte

Ulrich Zawatka-Gerlach

Der Berliner CDU-Landesvorstand will am 4. März, gleich nach der Regionalkonferenz der Landesverbände Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin, die Frage erörtern, wer neuer CDU-Bundesvorsitzender werden sollte. "Wir gönnen uns ein eigenes Votum", sagte Parteisprecher Matthias Wambach gestern dem Tagesspiegel. Die 24 Berliner Delegierten werden also mit einer Empfehlung des Landesvorstands - voraussichtlich auch des CDU-Landesausschusses - zum Bundesparteitag geschickt, der am 9. April beginnt.

Aber bevor man sich auf Personen festlege, so Wambach, müsse in der Union erst die Grundsatzfrage geklärt werden: "Wollen wir gleich den großen Schnitt, den personellen Neuanfang, oder doch eine Übergangslösung?" Auch in der Berliner CDU gehen die Vorstellungen darüber, was strategisch günstiger wäre, auseinander. Das gilt für alle Kandidaten, die entweder für den Neubeginn oder den Übergang stehen: Merkel und Rühe, Vogel und Biedenkopf. Sieht man von den CDU-Mitgliedern im Ostteil der Stadt ab, die fast geschlossen hinter der Generalsekretärin Angela Merkel stehen, binden sich die innerparteilichen Gruppierungen und Flügel bisher nicht an einen bestimmten Kandidaten. Das beste Beispiel für die gemischten Gefühle, mit denen die Berliner Christdemokraten in die nächsten Wochen gehen, ist CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky. Er lobt Merkels Leistungen als Generalsekretärin, spricht gut über Rühe ("den Volker kenne ich noch aus der Jungen Union") und hält Vogel für einen geeigneten Übergangskandidaten, "bis alles geklärt ist."

Der neue stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Frank Steffel bezweifelt sogar, "dass die Berliner Delegierten auf dem Bundesparteitag geschlossen abstimmen werden." Die Berliner Delegation ist eine bunt gemischte Gruppe von Konservativen und Liberalen, Alten und Jungen, "Union 2000"-Leuten und Diepgen-Freunden. Fast die gesamte CDU-Senatsriege reist mit: Peter Kurth, Wolfgang Branoner und Ekkehard Werthebach, der zum ersten Mal aktiv in der CDU-Parteipolitik mitmischt. Christa Thoben ist - noch - in Nordrhein-Westfalen organisiert. Aber die kleine Berliner CDU wird nicht ausschlaggebend sein. Steffel rechnet damit, dass sich die starken Landesverbände der Union im Vorfeld des Bundesparteitages auf einen Kandidaten einigen.

Eines steht immerhin fest: CDU-Landeschef Eberhard Diepgen wird für seinen Favoriten, Volker Rühe, im Landesvorstand nicht ohne weiteres eine Mehrheit finden. Auch dort gehen die Meinungen querbeet. "Es ist sicher noch zu früh, um sich festzulegen", meint CDU-Sprecher Wambach. Die Rechnung habe zu viele Unbekannte. Deshalb soll die Regionalkonferenz am 4. März, im Palais am Funkturm, die Stimmung an der Parteibasis deutlich machen und keine "Primary", keine Kandidaten-Vorwahl nach amerikanischem Muster sein.

Die Landesvorstände, die Vorsitzenden der Kreis- und Ortsverbände und der CDU-Vereinigungen sind eingeladen. Etwa 200 Funktionäre der Berliner CDU werden an der Konferenz teilnehmen, die möglicherweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Jörg Schönbohm und Fritz Hähle, die CDU-Landesvorsitzenden aus Brandenburg und Sachsen, werden die Diskussion moderieren, für das Schlusswort ist der Berliner Parteichef Diepgen zuständig.

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