Der lange Weg zu Olympia : Was die Bürger wollen – und wie sie mitmachen können

Am 13. September sollen die Berliner über Olympia abstimmen – vorausgesetzt der DOSB entscheidet sich am 21. März bei seiner Mitgliederversammlung für Berlin als deutsche Bewerberstadt. Lesen Sie hier, wie Sie sich im Vorfeld informieren und beteiligen können.

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Ein Zeichen der Hoffnung für beide Städte: sowohl die Stadt Hamburg als auch Berlin wollen die Olympische und Paralympischen Spiele 2024 oder 2028 zu sich holen.
Ein Zeichen der Hoffnung für beide Städte: sowohl die Stadt Hamburg als auch Berlin wollen die Olympische und Paralympischen...Foto: dpa

DIE LETZTEN UMFRAGEN

Laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF-Politbarometers sprechen sich 47 Prozent der Deutschen für eine gemeinsame Bewerbung von Berlin und Hamburg aus. Das erlauben allerdings die IOC-Statuten nicht. Und wenn es eine alleine machen soll? Dann liegt Berlin hinten. Für Hamburg als Bewerberstadt sprachen sich beim Politbarometer 28 Prozent aus. Berlin lag mit 17 Prozent deutlich dahinter. Eine Infratest-Dimap-Umfrage im Auftrag des RBB war vor einer Woche auf ein gegenteiliges Ergebnis gekommen: 34 Prozent für Spiele in Berlin, 30 für Spiele in Hamburg.

TOTALE TRANSPARENZ

Bei der Berliner Bewerbung für Olympia ist größtmögliche Transparenz herzustellen. Das fordern die Grünen. Ihre sportpolitische Sprecherin Anja Schilhaneck freute sich am Freitag im Sportausschuss über das Protokoll der konstituierenden Sitzung der „Begleitgruppe Bürgerbeteiligung“, das im Internet zu finden ist. Diese Sitzung verlief offenbar so kontrovers, dass der Termin für die „Bürgerwerkstatt Mitmach-Spiele“ erst einmal verschoben werden musste. Alle Infos zur Bürgerbeteiligung, deren „Design“ und Ablauf von der Begleitgruppe derzeit diskutiert wird, finden sich unter „www.was-will.berlin.de“. Das Onlineforum steht jedem offen. Moderiert wird es von der Agentur Zebralog, die auch das Dialogverfahren zur Zukunft der „Historischen Mitte“ verantwortet. Bisher sind 537 Beiträge und Fragen im Onlineforum eingegangen, 239 wurden von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung beantwortet – etwa danach, warum sich Berlin und Hamburg die Spiele nicht einfach teilen.

Spiel mit mir. Der Regierende Michael Müller (SPD) hofft auf den Hauptstadtbonus im Wettstreit mit Hamburg.
Spiel mit mir. Der Regierende Michael Müller (SPD) hofft auf den Hauptstadtbonus im Wettstreit mit Hamburg.Foto: dpa

BEWERBUNGSKOSTEN

50 Millionen Euro würde eine Berliner Bewerbung kosten, versicherte Sport-Staatssekretär Andreas Statzkowski. Davon gehe der Senat weiterhin aus. Bislang wurden für die erste Phase der Olympia-Mobilmachung 130 000 Euro ausgegeben, zwei Drittel davon bezahlten private Sponsoren der Kampagne. Statzkowski sieht am Ende von Olympischen Spielen an der Spree einen großen Imagegewinn für die Stadt, eine Ankurbelung der Wirtschaft und möglicherweise sogar einen finanziellen Überschuss wie in London. Man solle nicht immer nur den Maßstab Hamburg vor Augen haben. „Wir konkurrieren mit London und Paris, nicht mit anderen Städten in Deutschland.“

„CITY CONTRACTS“

Grüne und Linke befürchten, die Berliner werden im September über die „Katze im Sack“ abstimmen. „Die City Contracts werden erst am 16. September an die Bewerberstädte verschickt, der Senat muss aber schon am 15. seine Bewerbung abgeben“, sagte die Linken-Abgeordnete Gabriele Hiller. Dieses Problem habe Berlin nicht zu verantworten, man dürfe es aber deswegen nicht einfach verschweigen, sekundierte Anja Schilhaneck von den Grünen. Bei der Abstimmung am 13. September sollte klar sein, was die Spiele Berlin kosten. SPD-Sportexperte Dennis Buchner erklärte dagegen, nach der IOC-Reform seien „die Voraussetzungen, mit dem IOC handelseinig zu werden, deutlich besser geworden“. Peter Trapp von der CDU lobte die Arbeit des DOSB. „Das geht in eine sehr gute Richtung.“ Die Berliner einzubeziehen, sei in Ordnung, „aber eine Bürgerbeteiligung mit Stinkbomben und Trillerpfeifen lehne ich ab.“

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