Berlin : Der lange Weg zum schnellen Umsteigen

Der alte S-Bahnhof Warschauer Straße wird abgerissen und macht einem Neubau Platz

Klaus Kurpjuweit

Die Wege werden erst länger und viel später vielleicht viel kürzer: Für mehr als 30 000 Umsteiger pro Tag ändert sich die Welt am S- und U-Bahnhof Warschauer Straße. Zunächst werden, wie berichtet, das marode Empfangsgebäude sowie die Zugangstreppen zu den drei Bahnsteigen abgerissen und durch eine Behelfsbrücke ersetzt. Mit dem Neubau des Bahnhofs ist auch vorgesehen, den rund 100 Meter entfernten U-Bahnhof näher an die S-Bahn-Station heranzurücken, so dass die Umsteigewege viel kürzer werden. Darauf warten müssen die Fahrgäste aber mindestens bis 2010.

Dabei sind die Pläne, S- und U-Bahnhof näher zueinander zu bringen so alt wie die U-Bahn selbst. Schon im Eröffnungsjahr der ersten Strecke im Februar 1902 war vorgesehen, die U-Bahn vom damaligen Bahnhof Warschauer Brücke weiter bis zur Frankfurter Allee zu verlängern. Doch daraus wurde nichts. Aber jetzt sind die U-Bahn-Pläne wieder konkret. Wird die Strecke verlängert, bleibt der heutige Bahnhof, der unter Denkmalschutz steht, erhalten. Die Züge fahren dann auf den neben dem Bahnhof liegenden Gleisen zum neuen Bahnhof, der über den Anlagen der Fernbahn liegen würde. Die beiden Seitenbahnsteige des neuen Bahnhofs sollen unmittelbar vor dem neu gebauten S-Bahnhof enden, zu dem es aber direkte Verbindungen geben würde. Direkt über dem S-Bahnhof lasse sich der U-Bahnhof nicht bauen, heißt es bei den Planern.

Damit der Bahnhof für die U-Bahn gebaut werden kann, muss der provisorische Zugang zu den S-Bahnsteigen auf der anderen Seite des Bahnhofs errichtet werden, was die Wege für die Umsteiger nun erheblich verlängert – um bis zu knapp 200 Meter im Höchstfall. Allein die Brücke ist 134 Meter lang, Über sie sind alle Bahnsteige in der Bauzeit zu erreichen. Der Bau der Brücke sowie der Abriss des Empfangsgebäudes kostet rund 3 Millionen Euro. Der Bahnhof war nach der Zerstörung des nach Plänen von Reichsbahn-Architekt Richard Brademann 1924 errichteten Prachtbaus nur durch ein Provisorium ersetzt worden, das jetzt baufällig ist. Der Hauptzugang ist bereits seit rund zwei Jahren gesperrt.

Das Planfeststellungsverfahren für den Neubau soll im nächsten Jahr beginnen, so dass die Arbeiten 2007 starten könnten. Statt drei wird es dann nur noch zwei Bahnsteige geben; an einem halten die Züge Richtung Zentrum, am anderen diejenigen nach Erkner und Lichtenberg.

Ein großes Empfangsgebäude wird es nicht mehr geben, aber eine ansprechende Architektur aus Glas und Stahl für den Zugangsbereich sei vorgesehen, sagte gestern Projektleiter Sven-Erik Baer. Der Umbau erfolgt zusammen mit der Sanierung des Ostkreuzes, die aber erst jetzt erneut verschoben worden ist – auf Ende 2005.

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