Berlin : Der letzte Kämpfer

Nur Frank Möller hat im deutschen Judo noch Klasse

Hartmut Moheit

Ein Bett wäre für Frank Möller das Beste gewesen. Den 32-jährigen Judoka plagte eine Angina so sehr, dass er besser gelegen hätte, als zu stehen. Doch Möller raffte sich immer wieder auf, ging auf die Kampfmatte und hatte dabei nur eines im Sinn: Gegen starke Gegner beim Wold Cup in Hamburg schnell zu siegen. Es hätte schlecht um das Team von Bundestrainer Frank Wieneke ausgesehen, wenn der Routinier aus Berlin ausgefallen wäre. Schließlich ist der Olympiadritte und mehrmalige Medaillengewinner bei Welt- und Europameisterschaften die Leitfigur im deutschen Männerjudo. „Ich muss für die jungen Leute in der Mannschaft das Vorbild sein“, sagt Möller. So überwand er sich auch in Hamburg. Der Lohn für ihn war der dritte Platz.

Damit hat Möller in der Klasse über 100 Kilogramm die besten Aussichten, den einen möglichen Olympiaplatz für Athen 2004 zu erkämpfen. „Nachdem ich in Paris schon Dritter war, habe ich jetzt 40 Punkte auf dem Konto. Besser wäre es aber, ich würde bei der Weltmeisterschaft in diesem Jahr in Osaka unter die fünf Besten kommen, dann hätten wir das Athen-Ticket bereits sicher“, beschreibt Möller die möglichen Wege nach Griechenland.

Niemand zweifelt daran, dass er es sein wird, der im Falle der Qualifikation zum dritten Mal für Olympia nominiert wird. Frank Möller ist der letzte Kämpfer aus den Hochzeiten des Judos in der DDR, an dessen Thron niemand rüttelt. „Eine solch harte Ausbildung, wie ich sie früher hatte, würde ich unseren Athleten heute wünschen“, sagt Möller. „Die jungen Leute sind nicht mehr so bereit, ihr Leben dem Judosport unterzuordnen“, kritisiert auch der ehemalige Bundestrainer Dietmar Hötger. Er selbst muss sich den Vorwurf gefallen lassen, zu lange an den erfolgreichen Kämpfern aus früheren Tagen festgehalten zu haben. Seinem Nachfolger Frank Wieneke, selbst Olympiasieger, obliegt nunmehr die Aufgabe, eine erfolgreiche Nationalmannschaft zu formen. „Das dauert einige Zeit“, sagt er. „Aber wir sind auf einem guten Weg.“

Frank Möller, der schon einige Zeit dem Marzahner BV angehört, aber weiterhin beim SC Berlin im Olympiastützpunkt trainier, erlebt jeden Tag das Desaster in seinem alten Verein. Nach der Wende war er noch der Kapitän des Teams im Sportforum, erkämpfte mit ihm in Paris den Europacup. Aber danach ging es stetig bergab mit den Leistungen. Der SC Berlin bekam immer weniger Geld in die Kasse, die besten Kämpfer – wie auch Möller – ließen sich von finanziell besser gestellten Vereinen ködern. Es gibt zwar immer wieder einmal Talente. Aber wenn es um internationale Konkurrenzfähigkeit oder gar Medaillen geht, ist Frank Möller in Deutschland der Einzige geblieben, der Chancen hat.

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