Berlin : Der letzte Schrei

Der neu eröffnete Supermarkt im Innern kann vieles bieten – nur keine Parkplätze. Die Markthalle in der Ackerstraße ist denkmalgeschützt

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Von Vivien Leue

Mitte. Was fehlt, sind die Marktschreier. Denn die Lautsprecher, die den Kunden die neuesten Angebote schmackhaft machen, sind kein angemessener Ersatz. Trotzdem hat sich Lutz Kunze, Marktleiter des neuen „Extra-Verbrauchermarktes“, bemüht, ein bisschen Marktatmosphäre am Leben zu erhalten.

Nach sechswöchigen Renovierungsarbeiten erwartet den Kunden in der Ackerhalle nun „ein völlig neuer Verbrauchermarkt nach dem Fresh-And-Easy-Konzept“, sagt Kunze. „Wie auf einem richtigen Markt gibt es hier Stände, die hochwertige und vor allem frische Ware anbieten.“ Die Vergangenheit der geschichtsträchtigen Markthalle soll auch in dem modernen Supermarkt erkennbar bleiben. „Die Ackerhalle, das war schon früher etwas Besonderes.“ Kunze muss es wissen, er wohnt seit Jahrzehnten in Mitte. „Anfang der Siebziger eröffnete hier ein DDR-Supermarkt. Und der hatte immer ein bisschen mehr als die anderen Märkte.“ Nach der Wende besann man sich auf den alten Charakter der Markthalle und restaurierte das Gebäude.

Spanplatten, die das zwölf Meter hohe Mittelschiff der Halle abdeckten, wurden entfernt und der Blick auf die hohen Fenster und die gusseisernen Stützen und Stahlbinder freigegeben. „Man soll sich nicht eingeengt fühlen in dieser Halle, sondern die Großzügigkeit spüren“, sagt Kunze. Den Ständen und der Architektur zum Trotz – es bleibt ein Supermarkt. Dafür aber einer der modernsten Verbrauchermärkte Berlins. „Das Einkaufen soll zum entspannten Erlebnis werden“, heißt das Motto. Dafür hat man unter anderem einen Ruhe-Bereich und eine Extra-Zone für die Kinder eingerichtet. Ein echtes Manko: Es gibt keine Parkplätze. „Als die Halle 1888 erbaut wurde, gab es ja nur Pferdekutschen, oder die Leute gingen zu Fuß“, sagt der Marktleiter. Jetzt steht die Halle unter Denkmalschutz und an einen Tiefgaragen-Unterbau ist nicht zu denken. Dennoch wird sich der Markt vermutlich behaupten können. Denn in der Gegend um die Invalidenstraße gibt es kaum Konkurrenz. Kaum ein Tante-Emma-Laden findet sich dort, geschweige denn ein Supermarkt. „Der Standort ist sehr gut gewählt“, findet auch Günter Metag, Leiter der Produktentwicklung der „Genossenschaft Konsum Berlin".

Die Genossenschaft ist Eigentümer der Markthalle und hat noch viel vor: „Bis Oktober soll die Restaurierung komplett fertig sein“, sagt Metag. Neben der Klinker-Fassade sollen dann auch wieder die gusseisernen Flügel-Tore das Gebäude zieren. Außerdem ist geplant, noch zehn weitere Läden im Gebäude zu vermieten. „Im Eingangsbereich eröffnet eine Weinhandlung, daneben wird es griechische Spezialitäten geben und einen indianischen Ton-Kunsthandel“, sagt Günter Metag. Auch der erste Stock, im 19. Jahrhundert einst Wohnbereich der Marktbetreiber, soll als Bürofläche vermietet werden.

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