Berlin : Der letzte Trick

Mit der Jahreskarte Plus kommt man schnell in die MoMA-Show – doch kaum einer nutzt das Angebot

Fatina Keilani

Eigentlich müsste die Jahreskarte Plus der Berliner Museen mittlerweile zum Bestseller geworden sein. Sie kostet 80 Euro, und wer fünf oder am Wochenende sechs Euro drauflegt, darf durch den VIP-Eingang in die MoMA-Ausstellung. Ohne Wartezeit! Und ohne Bindung an ein „Zeitfenster“, wie es bei den VIP-Karten gilt. Billiger als ein Student, der zum Stundenlohn von zehn Euro für einen wartet, ist das allemal. Auch die VIP-Karten, die im Internet zum Beispiel bei Ebay versteigert werden, sind zum Teil teurer – und es gibt keine Gewissheit ihrer Echtheit. Schon mehrfach wurden am Eingang der neuen Nationalgalerie gefälschte Tickets entdeckt. Die Jahreskarte Plus gibt es bei allen Staatlichen Museen – unter anderem nebenan in der Gemäldegalerie.

Der Kult um die MoMA-Schau führt derzeit zu immer neuen Absurditäten. Im Internet bei Ebay bieten manche ihre Jahreskarte Plus zur Miete an; Mindestgebot: 60 Euro für drei Stunden. Andere versteigern einen Anstellservice, halten dem Ersteigerer also stundenlang einen Platz in der Schlange frei.

Die begehrte Ausstellung mit Werken aus dem New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) läuft noch bis 19. September, dann ist unweigerlich Schluss. Die Warteschlange, die während des gesamten Sommers nie kurz war, strebt derzeit immer neuen Längenrekorden entgegen. Jetzt legen sich schon Leute nachts im Schlafsack vor den Eingang. Zehn Stunden Wartezeit sind bei der Rekord-Ausstellung, die am Mittwochvormittag den millionsten Besucher erwartet, normal.

Speziell für flexible Berliner hatten die Ausstellungsmacher einen SMS-Service entwickelt; per Nachricht aufs Handy sollte man erfahren, wenn die Wartezeit unter 45 Minuten liegt. Statt dessen kam nach Wochen des Schweigens kürzlich die Nachricht: „Leider waren in der vergangenen Woche die Wartezeiten nie weniger als 45 Min. Der Service ist weiterhin aktiv.“ Trotz alledem ist die Jahreskarte Plus bisher kein Bestseller; vielleicht hat sich die Möglichkeit noch nicht herumgesprochen. Rund 3400 Stück seien in diesem Jahr verkauft worden, sagte der Leiter der Besucherdienste der Staatlichen Museen, Christoffer Richartz. Die Karten seien nicht limitiert. „Und sie haben den ungeheuren Vorzug, dass sie auch außerhalb des MoMA gelten“, sagt Richartz lakonisch. „Wir haben viele herrliche Sammlungen und Veranstaltungen, die oft zu kurz kommen, weil wir sie nicht so aufwendig bewerben können.“ Wie die Jahreskarten selbst auch. Aber wenn die MoMA-Fans kurz vor Schluss zum Äußersten greifen, werden die vielleicht doch noch Verkaufsschlager.

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