Berlin : Der Letzte wurde der Erste: Max fährt nach Istanbul

Er wurde erst ganz kurzfristig nominiert, und nun vertritt der 22-Jährige Deutschland beim Eurovision Song Contest

-

Sie galten als die Favoriten. Bei ihren Fans sowieso, aber auch bei der Konkurrenz. „Wenn sie Erste werden würden, das wäre schon super“, sagte zum Beispiel Laith AlDeen, Vorentscheidteilnehmer mit Startnummer 08. Er meinte die Berliner Band Mia, Startnummer 02. Gewonnen hat am Ende Max, der Sänger mit der Nummer 06. Im Stechen der bestplazierten zwei Lieder gewann seines mit 92 Prozent gegen „Jigga Jigga“ von Scooter. Und das darf dann wohl als Überraschung des gestrigen Abends gelten: Dass Scooter in der Endrunde gewesen ist. Sarah Kuttner jedenfalls, die Moderatorin, konnte es gar nicht fassen.

Die Sängerin von Mia heißt Mieze, ihr Kleid am Freitagabend war kurz, eine Art Ballett-Kleid. Sie sang das Lied „Hungriges Herz“, reimte im Refrain mit Schmerz, und das war vielleicht schon das Einzige, was vertraut schien an diesem deutschen Vorentscheid zum „Eurovision Song Contest“, dem Wettbewerb, der noch bis letztes Jahr „Grand Prix d’Eurovision de la Chanson“ hieß. Veranstaltungsort war die Arena in Treptow, das ehemalige Busdepot an der Spree. Die ARD übertrug live – unter dem optimistischen Sendungsnamen: „Germany, 12 Points“. Ob das denn auch zum tollsten Lied Europas führt, entscheidet sich am 15. Mai am Bosporus, in Istanbul.

Kuttner, schwarzes Kleid, roter Abba- Schriftzug auf der Brust, und Kollege Jörg Pilawa, ebenfalls in Rot-Schwarz, machten erst dem Fernsehsender Viva Komplimente (Pilawa: „der größte Musiksender Europas“) – und dann auch Berlin (Kuttner: „Das ist meine Stadt, die lässt uns nicht im Stich.“), was mit frenetischem Beifall belohnt wurde. Dann ging die Show los. Den Anfang machte Patrick Nuo aus Hamburg, Startnummer eins, dessen „Undone“ vom Publikum gleich lautstark gefeiert wurde. Mit Startnummer zwei also Mia, danach die Rapperin Sabrina Setlur aus Frankfurt am Main mit „Liebe“, gefolgt von der Band Overground, einer Boygroup, die ganz anders sein will als die anderen Boygroups, so sagt es einer von ihnen, sie sängen schließlich auf Deutsch.

Danach Tina Frank, die laut Moderatorin Kuttner bisher „kein Arsch“ kennt, obwohl sie an den Hits von Oli P. mitgewirkt hat, allerdings im Hintergrund. An sechster Stelle trat der Sieger Maximilian auf, der als Quereinsteiger von TV- Moderator Stefan Raab ins Rennen katapultiert worden war. Schon von seiner Teilnahme ganz beeindruckt, sagte er, es habe sich viel mehr in seinem Leben erfüllt, als er sich habe träumen lassen. Wegen Max war Raab in die Arena gekommen. Raab, der sonst bei Pro7 eine Show hat, in der viel gespottet wird, sei deutlich angespannt, fand Kuttner. Das allein sei die ganze Sendung doch wert gewesen: „Raab einmal angespannt zu sehen“. Der 22-jährige Max setzte sich auf einen Hocker und sang die Ballade „Can’t wait until tonight“.

Der Schlagerwettbewerb ist jünger, hipper geworden. Und das sah man auch an den Zuschauern: Ungefähr 3000 Plätze bot die Arena, aber es herrschte ein Lärm, als wären es „300000 gefühlte Fans“, wie Pilawa sagte. Sie alle hatten bei dem Telefonabstimmverfahren einen großen Nachteil: Sie durften nicht mitmachen, denn in der Arena herrschte Handyverbot. Das Gebimmel sollte die Sendung nicht stören. Betrübt waren die Gäste darüber nicht, sie verkündeten, dass sie trotzdem wählen würden. Per SMS. Das ging lautlos. Juris Lempfert

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben