Berlin : Der Löwe ist lose

Zur Reparatur wurde das Denkmal vom Großen Wannsee in gut 80 Teile zerlegt

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Sein stolzer Blick war den Wannsee gewohnt, nun starrt er auf eine Werkstattwand in Adlershof. Der Kopf ist abgetrennt, hier liegt eine Tatze, dort ein Bein, der Rumpf ein hohler Torso, vom Schwanz keine Spur: Der Flensburger Löwe, noch vor gut zwei Monaten der marode Stolz von Wannsee, ist derzeit in gut 80 Teile zerlegt. Bis Mitte Juni sollte das Denkmal repariert sein; doch so erbärmlich, wie das Tier aussieht, dauert die Reparatur gut einen Monat länger. Aber Ende Juli soll der Löwe wieder auf seinem (ebenfalls reparierten) Sockel vor Heckeshorn am Großen Wannsee stehen.

„Wir mussten mehr zerlegen als geplant“, sagt Metallrestaurator BerndMichael Helmich. Denkmalpfleger Detlev Pietzsch hat schon Angst um die Termine. „Das wird spannend“. Ende März hatte Helmich im Auftrag des Landesdenkmalamtes den altersschwachen Löwen vom Sockel geholt und nach Adlershof transportiert. Die dünne Zinkhaut von 1865 war porös, die Statik des Riesen bedenklich. Bei der Werkstatt-Diagnose stellte sich heraus, dass schon damals beim Guss und beim Verschrauben der Teile geschlampt worden war. So verformte sich der Körper an vielen Stellen, rächte sich mit Rost und Rissen. „Wir haben nicht geahnt, dass der Löwe so kaputt ist“, sagt Pietzsch.

Geahnt hatte auch keiner, dass der Schwanz nicht passte. In Berlin pflegte er auf dem Sockel zu liegen, in Kopenhagen, wo das Original der Skulptur steht, hängt er etwas nach unten. Weil der Löwe aber ein wirklich historisch getreues Abbild sein soll, wird nun nächste Woche in Kopenhagen eine Silikonform des Schwanzes angefertigt. Helmich setzt sie dann später in seiner Aldershofer Werkstatt als Zinkguss ans Löwenhinterteil. Das verteuert die vorher mit 80 000 Euro kalkulierte Aktion (die Hälfte zahlt die Hinkeldey- Stiftung) um 11 000 Euro. Den Aufpreis übernimmt das Landesdenkmalamt.

Es ist ein Riesenpuzzle, das Helmich und seine vier Löwen-Spezialisten vor sich haben. Bislang sind die Teile hauptsächlich gereinigt, sie wirken hell, wie aus Stein gehauen. Die Experten sind gerade bei der Fußpflege, stärken den Rumpf mit einem Skelett aus Edelstahl, dann müssen Bauch, Beine, Schenkel und Tatzen wieder zum richtigen Löwen werden. Das nicht mittels Schrauben, sondern mit Pflastern aus Glasfasergewebe. Komplett ist das Tier aber erst mit Bronzeglanz. Zunächst war nach Laborwerten vermutet worden, der Löwe sei mal goldig gewesen. Das bestätigte sich nach weiteren Recherchen nicht.

Nicht nur der Löwe wird schöner, auch sein Platz am Großen Wannsee. Der Bezirk investiert dafür 10 000 Euro. Die kleine Allee, die zum Sockel führt, erhält im Sommer acht Schinkelleuchten, der Vorplatz einen neuen, festeren Sandbelag. Das vom Denkmalamt erhoffte „Kleinsteinpflaster“ war zu teuer, hätte 50 000 Euro gekostet. Außerdem werden zwei Strahler installiert, die den Löwen nachts ins Licht rücken. Der Sockel, kurz vorm Löwentransport von Sprayern mit einer ätzenden, schwer zu tilgenden Farbe beschmiert, erhält ein frisches Aussehen. Erste neue Stufen sind allerdings schon wieder beschmiert.

Spätestens Anfang September soll die feierliche Übergabe des neuen Löwendenkmals sein. Die Stadtenwicklungssenatorin wird wohl kommen, vielleicht auch der dänische Botschafter. Der Vier- Meter-Löwe soll dann in voller Pracht über ihnen thronen. Stolz wird sein Blick über den Wannsee schweifen…

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