DER MANAGER : DER MANAGER

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Überschwemmung in der Biologiesammlung des Wilhelm-von-Siemens-Gymnasiums. Zumindest Charles Darwin hat überlebt, survival of the highest – er steht weit oben im Regal, unten schwappt das Wasser hin und her. Mittendrin stehen Schuldirektor und Schulhausmeister, es ist einer der letzten Ferientage, ein Rohr ist geplatzt, und nun wischen die beiden einträchtig nebeneinander her.

Eine Stunde später macht der Hausmeister Horst Domagalla in seinem Büro eine kurze Pause. Der Raum würde auch zum Cockpit taugen: An der Wand ist ein Schaltertableau mit kryptischen Bezeichnungen wie PH1+2, das ist die Lichtanlage, auf dem Rechner ist ein Diagramm mit Kästen, Pfeilen und Temperaturangaben, das ist die Heizungssteuerung. Und neben dem Tisch hängt ein Zettel: „Finanzplan Schulhausmeister 2012“, aufgelistet sind Posten von Außenfarbe bis Weihnachtsdekoration.

Domagalla, 56 Jahre alt und gelernter Sattler, ist seit 30 Jahren Schulhausmeister – eine Entwicklung, die er vom „Mann im Kittel“ zum „Manager eines Kleinbetriebes“ beschreibt. Um zu lernen, wie man die Heizung überall per Mausklick herunterfährt, wenn Wandertag ist, hat Domagalla Computerkurse an der Verwaltungsakademie besucht. Nach mehreren Tüv-Lehrgängen hat er ein Zertifikat als Aufzugswart und kann Schüler nun selbst aus dem Lift befreien. Und als er neulich eine neue Lichtanlage für die Aula bestellen wollte, machte er erst einmal eine kleine Ausschreibung.

In die Aula muss er jetzt noch, auch dort ist der Boden feucht. „It’s a hot summer“, steht mit weißer Kreide draußen auf der grauen Schulwand, vielleicht der letzte Gruß eines Schülers, bevor er sich in die Ferien verabschiedete. Für Horst Domagalla waren die letzten Urlaubstage besonders lang. Verena Friederike Hasel

Horst Domagalla, 56, im Beruf seit 30 Jahren. Seit 2000 am Wilhelm-von-Siemens-Gymnasium, Marzahn

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