Berlin : Der Mann, der Dan Brown und Hape Kerkeling besiegte

Mit seinem Debüt „Die Therapie“ landete der Berliner Sebastian Fitzek einen Bestseller. Das Buch schrieb er meist nach Feierabend

Lisa Garn

Die Idee entstand an einem kalten Morgen im Winter 2004: Sebastian Fitzek begleitet seine Freundin zum Arzt, fast niemand im überfüllten Wartezimmer bemerkt die beiden. Als sie ins Sprechzimmer gerufen wird, fragt er sich: „Was wäre, wenn sie nicht mehr herauskommt und was, wenn mir keiner glaubt, dass sie hier war?“ Knapp zweieinhalb Jahre später beschert das Schicksal einer verschwundenen Patientin nicht nur Berlinern schlaflose Nächte.

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Sebastian Fitzek ist Autor, obwohl er selbst sich mit dieser Bezeichnung nicht so recht anfreunden will. „Klingt viel zu hochtrabend für jemanden wie mich.“Als Autor gilt er trotzdem: Auf dem Cover seines Erstlings „Die Therapie“ steht ganz groß sein Name. Die Geschichte der kleinen Tochter eines bekannten Psychiaters, die in Berlin spurlos aus einer Arztpraxis verschwindet, hat er in nur drei Monaten geschrieben. Vor drei Wochen kam der Psychothriller in die Buchläden. Seitdem ist Fitzek ziemlich gefragt. Innerhalb von zehn Tagen schoss er bei Amazon von Platz 1 745 000 nach ganz oben – vorbei an den Bestseller-Autoren Dan Brown („Das Sakrileg“) und Hape Kerkeling („Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg“). Sein Buch erscheint im Knaur Verlag. Der hat bisher über 50 000 Exemplare verkauft, die sechste Auflage wird bereits gedruckt. Mittlerweile häufen sich bei Fitzek Interviewanfragen, und es gibt sogar Angebote von Filmproduktionsfirmen, das Buch zu verfilmen. Auch nach Holland ist „Die Therapie“ schon verkauft. Ganz zu schweigen von den E-Mails seiner Leser, die sich täglich bei Fitzek für nächtelange Spannung bedanken. Allen antwortet er natürlich höchstpersönlich.

Mit dem plötzlichen Rummel hatte Sebastian Fitzek nicht gerechnet. Dass überhaupt ein Buch von ihm in den Buchhandlungen liegt, amüsiert ihn sogar ein wenig: „Hätte ich gewusst, dass nur 0,1 Prozent der Manuskripte eine Chance bei Verlagen haben, hätte ich eher Lotto gespielt.“ Er freut sich über seinen Erfolg. Lange will er allerdings nicht darüber nachdenken – dafür hat er ohnehin nicht viel Zeit. Denn eigentlich ist der 34-Jährige hauptberuflich Vize-Programmdirektor des Radiosenders 104.6 RTL. Sein Buch hat er quasi nebenbei geschrieben – abends oder am Wochenende, meistens drei Seiten pro Tag. „Das Sozialleben hat etwas gelitten. Aber Schreiben ist für mich ein Hobby. Da investiert man gern Zeit“, sagt Fitzek. Trotzdem bezeichnet er sich als eher faulen Menschen – ein Blick auf seine Biografie verrät das Gegenteil.

Geboren wurde Fitzek 1971 in Berlin, und er ist seitdem nie weggezogen: „Die Stadt ist preiswert, es gibt ein großes Kulturangebot, und man entdeckt jeden Tag etwas Neues.“ 1991 begann er mit dem Tiermedizin-Studium an der Freien Universität, stellte jedoch nach einem Monat fest, dass dies nichts für ihn ist. „Ich bin handwerklich leider nicht begabt und fand es grauenhaft, Hunde zu sezieren. Aber die Leute waren sehr nett“, sagt Fitzek. Also wechselte er zu Jura an der Technischen Universität und volontierte nebenbei bei 104.6 RTL. Als er seine Doktorarbeit über Urheberrecht schrieb, war er bereits Chefredakteur beim Berliner Rundfunk. Seit 2004 ist er wieder bei 104.6 RTL - als Ideengeber und Autor. Dass das Medium auch seinen neuen Nebenjob beeinflusst, davon geht Fitzek aus. „Radio schafft mit einfachen Mitteln eine Erlebniswelt für Hörer. Ich nenne das Kino im Kopf. Nichts anderes will ich bei meinen Lesern erreichen.“ Auch Berlin ist eine Inspirationsquelle: „Hier fühle ich mich verwurzelt und kenne mich aus. Deshalb beginnt die Geschichte in Berlin.“

Dass „Die Therapie“ nicht sein letztes Werk war, steht fest. Sein nächster Thriller soll „Das Trauma“ heißen und im April 2007 bei Knaur erscheinen, die Filmrechte sind schon verkauft. Ideen für die nächsten Projekte liegen bereits auf seinem Schreibtisch. „Alle meine Geschichten drehen sich um ein Phänomen: die Lüge“, erzählt Fitzek. „Als Autor bin ich ja selbst einer der zwanghaftesten Lügner. Ich versuche sogar, damit Geld zu verdienen, indem ich mir Geschichten ausdenke.“ Warum ihn dieses Thema fasziniert, weiß er selbst nicht so genau. „Das müsste mal ein Psychiater analysieren“, sagt Fitzek und lacht.

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