Berlin : Der Mann, der Rinder arrangiert

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Damit die Grüne Woche reibungslos über die Bühne geht, ist hinter den Kulissen viel Organisation nötig. Heute endet unsere Serie, in der täglich ein Mensch vorgestellt wurde, der mit seiner Arbeit die Messe zu dem macht, was sie ist: Anziehungspunkt für Hunderttausende Besucher.

Heiner Schumann hastet mit Walkietalkie am Mund vorbei. „Wir müssen das Schaubild arrangieren“, ruft er. Klingt irgendwie wichtig, könnte vielleicht um die Schlussformation beim Unterwasserballett oder um eine animierte Darstellung des Sonnensystems gehen. Könnte. Tut’s aber nicht: Heiner Schumann stellt das Rind. Das Rind heißt Angus, Fleckvieh oder Dexter, ist preisgekrönt und soll vorgeführt werden, steht aber reichlich uninspiriert in der Gegend herum. Bis Heiner Schumann kommt und es arrangiert.

Heiner Schumann geht’s mit den Rindern wie anderen mit Menschen: Zunächst ist da Zurückhaltung, gepaart mit gutem Willen, noch allgemein gehalten, irgendwie will man halt miteinander auskommen. „Ich kenne die Rinder noch nicht gut“, sagt er am ersten Messetag. „Aber ich glaube, ich kann mit ihnen.“ Bei näherer Bekanntschaft schälen sich dann Vorlieben und Abneigungen heraus, mitunter entsteht ein Faible: für die eine zum Beispiel, die laut Heiner Schumann „keine 08/15-Kuh“ ist. Rotbraun sei sie, sagt er, „total schön“. Womöglich kommt hier aber auch etwas zum Tragen, was man ebenfalls vom Menschen-Miteinander kennt: Besondere Erfahrungen, die man teilt, sind verbindende Elemente, schaffen Sympathie. Und Heiner Schumann hat die schöne Rotbraune zur künstlichen Befruchtung begleitet, hat sie am Strick gehalten, als ihr die Pipette eingeführt wurde. So etwas hat der 25-jährige Student der Tiermedizin an der Universität noch nie erlebt, und das ist einer der Gründe, warum er den Job hier mag. Ein weiterer Pluspunkt: Die Standpartys am Abend – Gelegenheit für noch ein bisschen Umgang mit Menschen nach den tierlastigen Tagen. Und da will er sich Zeit lassen können, solange die Party eben währt: Zur Not schläft er einfach gleich im Auto; einen Schlafsack hat er dabei. rik

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