Berlin : Der Mann von der Staustelle Polizist Ingo Dubell lenkt seit 24 Jahren den Verkehr

„Für Autos interessiere ich mich seit Ewigkeiten“ Ingo Dubell, Hauptkommissar

Sebastian Leber

Der „TTO“ macht heute Morgen Probleme. Die Autos rollen zu langsam. „Wenn das noch schlimmer wird, müssen wir einschreiten“, sagt Ingo Dubell. Der 52-Jährige ist Schichtleiter bei der Verkehrsregelungszentrale Berlin – und „TTO“, das ist der Tunnel Tegel-Ortskern auf der Stadtautobahn A111. Den hat Dubell vor sich auf dem Monitor. „Vor einer halben Stunde gab es weiter südlich einen Unfall, mehr wissen wir nicht.“

Das Wichtigste für Dubell und seine vier Kollegen ist jetzt, dass die Autos da nicht stillstehen. Sonst muss ein Streifenwagen hin und den Tunnel absperren. „Was Tunnelbrände anrichten können, haben wir vor vier Jahren in der Schweiz gesehen“, sagt Dubell, der Hauptkommissar. Im Gotthard-Tunnel kamen elf Menschen ums Leben. Ingo Dubell ist ein alter Hase in Sachen Verkehrslenkung. Seit 24 Jahren arbeitet er als Verkehrspolizist, erst als „weiße Maus“ auf dem Motorrad, dann in der Zentrale per Monitor und Funk. Das Jagen von Bankräubern war nie sein Polizisten-Traum. Verkehr ist ihm lieber, für Autos interessiert er sich seit Ewigkeiten. „Früher bin ich Tourenwagen-Rallyes gefahren.“ An die Zwölf-Stunden-Schichten bei der Regelungszentrale hat er sich gewöhnt. Heute war um 5 Uhr 45 Dienstbeginn, das bedeutet: aufstehen um 4 Uhr 30, kurz mit den Hunden raus, die Kaffeemaschine für die Ehefrau anstellen und los. „Zumindest stecke ich nie im Berufsverkehr.“

Jetzt wird es unruhig in der Zentrale: Ein Lkw hat an der Einfahrt zum „TTO“ gestoppt. Natürlich ein Lkw! „Die haben 100 verschiedene Gründe, zwischendurch anzuhalten.“ Kaffeemaschine, Handy, Fernseher. Manchmal glaubt Ingo Dubell ohnehin kaum, was er auf dem Monitor sieht. Letzte Woche waren zwei Radfahrer im Tunnel unterwegs. Fußgänger laufen da auch manchmal rum. Und wenn ein Auto gegen eine Absperrung fährt, hauen die Fahrer grundsätzlich ab. Wie gut, dass man per Kamera bis ans Nummernschild ranzoomen kann...

Am Pult nebenan setzt ein Kollege ausgefallene Ampeln wieder in Betrieb. Bei den meisten geht das per Mausklick. Die ersten zwanzig hat er geschafft, trotzdem könnte es schneller gehen, findet Dubell. „Früher haben wir das zack-zack gemacht.“ Weil die Regelungszentrale mit ihrer neuen Computertechnik erst seit April im Vollbetrieb arbeitet, läuft noch nicht alles rund. Bis zur Fußball-WM soll sich das ändern. Probleme gibt es zum Beispiel, wenn ein Okay von draußen nicht kommt. Wie jetzt: Dubell möchte „8X87“ wieder anschalten, die Ampel am Zabel-Krüger-Damm/Ecke Am Vierrutenberg. Vorher muss das Bezirksamt Reinickendorf bestätigen, dass dort die Bauarbeiten abgeschlossen sind. Vielleicht regen sich in dieser Sekunde schon Leute auf, dass wieder mal eine Ampel nicht funktioniert. „Da muss man sich ein dickes Fell zulegen“, sagt Ingo Dubell. „Wir sind ja nicht für alles verantwortlich.“

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